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Verkehr in Europa nachhaltiger gestalten

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Article Veröffentlicht 19.07.2022 Zuletzt geändert 19.07.2022
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Der Verkehr verbindet Menschen, Orte, Kulturen und Volkswirtschaften, stellt aber gleichzeitig aber auch eine erhebliche Belastung für die Umwelt und das Klima dar. Wir haben mit zwei Verkehrs- und Umweltexperten der Europäischen Umweltagentur (EUA), Rasa Narkevičiūtė und Tommaso Selleri, über die Herausforderungen und Chancen für eine nachhaltigere Gestaltung des europäischen Verkehrssystems sowie über den kürzlich veröffentlichten EUA-Bericht gesprochen.

Worum geht es im TERM-Bericht der EUA? 

Tommaso:

„TERM“ steht für Transport and Environment Reporting Mechanism (Mechanismus für die Verkehrs- und Umweltberichterstattung). Dabei handelt sich um einen jährlich erscheinenden Bericht der EUA, in dem die Trends und Herausforderungen des europäischen Mobilitätssystems umfassend untersucht werden. Der Bericht enthält auch eine jährliche Bewertung des Verkehrssektors. Darin wird aufgezeigt, welche Verbesserungen es gibt und woran noch zu arbeiten ist. 

Der TERM-Bericht ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeiten zur Unterstützung der Umwelt- und Klimaziele Europas. Bislang hat das Mobilitätssystem bei der Verringerung der Emissionen und dem Übergang zu nachhaltigeren Verkehrsträgern nur begrenzte Erfolge erzielt. Die in den TERM-Berichten dargelegten aktuellen und verwertbaren Erkenntnisse spielen bei der Ausrichtung des Prozesses hin zu mehr Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle. 

Welches sind die Hauptergebnisse des aktuellen TERM-Berichts? 

Rasa:

Der erwartete Übergang zur Elektrifizierung des Verkehrs wird zur Verringerung der Emissionen beitragen.

Rasa Narkeviciute

Im TERM-Bericht 2021 wird gleich zu Anfang darauf hingewiesen, dass der Verkehr für etwa ein Viertel der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich ist. Auf den Straßenverkehr entfällt der größte Anteil dieser Emissionen, die in den letzten 30 Jahren ebenfalls um fast 30 % gestiegen sind. 

Mit den bestehenden politischen Maßnahmen werden die verkehrsbedingten Emissionen voraussichtlich zurückgehen, aber nicht in dem Maße, dass der Sektor einen ausreichenden Beitrag zum Ziel der Klimaneutralität bis 2050 leisten kann. 

Die Emissionen von Personenkraftwagen und Lastkraftwagen haben vor allem aufgrund des steigenden Transportbedarfs zugenommen. Die Fahrzeuge selbst sind effizienter geworden, da sie für jeden zurückgelegten Kilometer weniger Emissionen verursachen, aber sie sind noch nicht effizient genug, um das zunehmende Verkehrsaufkommen auszugleichen. 

Was muss passieren, um den Trend zunehmender Emissionen umzukehren? 

Rasa:

Der erwartete Übergang zur Elektrifizierung des Verkehrs wird dazu beitragen, Emissionen zu verringern. Dies bedeutet aber auch, dass der Stromerzeugung und ihrer Effizienz immer mehr Bedeutung zukommt. Die Emissionen dürfen nicht einfach von der Straße auf ein Kraftwerk an einem anderen Standort verlagert werden, sondern es kommt darauf an, dass wir die notwendigen Investitionen in erneuerbare Energien vornehmen. 

Um zu einer größeren Nachhaltigkeit des Verkehrs beizutragen, muss die Elektrifizierung mit Veränderungen bei der Organisation unseres Mobilitätssystems einhergehen. Es muss auf nachhaltigere Verkehrsträger umgestellt und sichergestellt werden, dass nicht nur die Verkehrstätigkeit, sondern auch die Zugänglichkeit von Arbeitsplätzen und Dienstleistungen im Mittelpunkt stehen. Hierfür sind breit angelegte politische Maßnahmen erforderlich. So kann zum Beispiel bei der Stadtplanung dafür gesorgt werden, dass der Fahrradinfrastruktur genügend Platz zur Verfügung gestellt wird, während gleichzeitig darauf geachtet wird, dass Dienstleistungen, kommerzielle Aktivitäten und Wohngebiete in größerer Nähe zueinander angesiedelt werden. 

Wie begegnen die EU und ihre Mitgliedstaaten diesen Herausforderungen? 

Rasa: 

Das Europäische Parlament gab kürzlich seine Zustimmung für das vorgeschlagene Ziel der Emissionsfreiheit neuer Personenkraftwagen und Lieferwagen bis zum Jahr 2035. Wenn auch die Mitgliedstaaten zustimmen, wird dies in den kommenden Jahrzehnten zu einem erheblichen Rückgang der Emissionen auf den europäischen Straßen führen. 

Die Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität umfasst auch Ziele im Zusammenhang mit dem Übergang zu nachhaltigeren Verkehrsträgern. Dazu gehören auch Zielesetzungen für den Ausbau des Hochgeschwindigkeitsbahnverkehrs, des Schienengüterverkehrs und der Schifffahrt auf Wasserstraßen. 

Woran arbeitet die EUA sonst noch beim Thema Verkehr? 

Rasa:

Die EUA erhebt große Mengen an Daten zu Fahrzeugen und Kraftstoffen aus europäischen Ländern und von Fahrzeugherstellern. Dies beinhaltet Daten zu in der EU neu zugelassenen Neuwagen, Lieferwagen, Lastkraftwagen, Bussen und Wohnwagen, die es uns ermöglichen, die Effizienz dieser neuen Fahrzeuge zu bewerten. Wir erheben auch Daten über Kraftstoffe, die im europäischen Straßenverkehr und bei mobilen Maschinen und Geräten verwendet werden. Diese Daten umfassen die Art und Menge der verwendeten Kraftstoffe sowie die Emissionen im Zusammenhang mit der Gewinnung, Verarbeitung und Verteilung dieser Kraftstoffe. Bei Biokraftstoffen untersuchen wir zudem die Auswirkungen indirekter Landnutzungsänderungen. 

Anhand regelmäßiger Indikatorenbewertungen, die wir auf unserer Website veröffentlichen, analysieren wir diese Daten, um die Fortschritte bei der Verwirklichung der politischen Ziele zu verfolgen. Neben der Verwendung unserer eigenen Daten erstellen wir auch politisch relevante Indikatoren auf der Grundlage umfassenderer EUA- oder externer Daten, z. B. zu verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen sowie zum Anteil von Bussen und Zügen am gesamten Verkehr, ein Thema, mit dem wir uns später in diesem Jahr befassen werden. 

Tommaso: 

Die EUA ist auch in anderen Bereichen des Mobilitätssystems und des Verkehrs tätig. Einige der derzeit laufenden zusätzlichen Tätigkeiten betreffen den See- und Luftverkehr, wo wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern in anderen EU-Agenturen neue sektorspezifische Berichte erstellen. 

Dabei handelt es sich um den Europäischen Umweltbericht für den Seeverkehr, den wir in Zusammenarbeit mit der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs erstellen, und den Europäischen Luftfahrt-Umweltbericht, der gemeinsam mit der Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit und EUROCONTROL (Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt) erstellt wird. 

Womit befasst sich der nächste TERM-Bericht der EUA? 

Tommaso: 

Derzeit arbeiten wir an der nächsten Ausgabe des TERM-Berichts, den wir noch in diesem Jahr veröffentlichen wollen. Der Bericht wird sich mit dem umfassenden Thema Digitalisierung im Mobilitätssystem beschäftigen und viele Innovationen untersuchen, die durch digitale Technologien ermöglicht werden. Dabei wird darauf geschaut, wie sich diese Technologien auf den Verkehrssektor, die Umwelt und unser Leben auswirken könnten. 


Rasa Narkevičiūtė und Tommaso Selleri, Verkehrs- und Umweltexperten der EUA 

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