Landwirtschaft – Einführung

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Seite Zuletzt geändert 14.05.2019
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Der Agrarsektor ist einer der größten Landnutzer in Europa und somit im ländlichen Raum landschaftsprägend. Er wirkt sich auf verschiedenste Weise direkt und indirekt auf die Umwelt aus und ist selbst von natürlichen Ressourcen abhängig.

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Landwirtschaftliche Nutzflächen sind eine wichtige Rolle Landnutzungsform in der EU. Weideland und Ackerland machen zusammen 39 % der Landfläche Europas aus (EUA, 2017a). Der Agrarsektor ist einer der Hauptnutzer natürlicher Ressourcen und steht in einer komplexen Beziehung zur Umwelt (OECD, 2017). Die folgenden Daten beschreiben die Leistung und die Auswirkungen des Agrarsektors in der EU:

  • Im Jahr 2015 waren in Europa rund 94 % der Ammoniakemissionen auf die Landwirtschaft zurückzuführen und stammten hauptsächlich aus der Lagerung von Dung, dem Ausbringen von Gülle und der Verwendung anorganischer Stickstoffdünger.
  • Die CO2-Emissionen aus Torfböden, die für die Landwirtschaft entwässert wurden, betragen 100,5 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr‚ im Vergleich zu 67,6 Mio. Tonnen CO2 bei der Forstwirtschaft. Mit einer Gesamtmenge von 173 Mio. Tonnen CO2 aus entwässerten Böden ist die EU (nach Indonesien) der zweitgrößte Quelle für CO2-Emissionen aus Torfmooren weltweit (Berge et al., 2017).
  • Durch die Bewässerung stellt die Landwirtschaft eine erhebliche Belastung für erneuerbare Wasserressourcen dar. Je nach Saison verbraucht der Sektor mehr als 50 % des in Europa genutzten Wassers.
  • Die Landwirtschaft ist eine der Hauptquellen für Nitrate in Oberflächengewässern und im Grundwasser. In zahlreichen Regionen in ganz Europa – zumeist in jenen mit einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung – sind die Nitratkonzentrationen nach wie vor zu hoch.
  • Rund 9 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen sind Teil der Natura-2000-Gebiete – einem EU-weiten Netz von Naturschutzgebieten.
  • Die Landwirtschaft trägt 25 Mio. Tonnen Rohöleinheiten (12,3 %) zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen bei (2015), wobei von 2013 bis 2015 ein Anstieg um 15 % verzeichnet wurde (GD AGRI, 2017).
  • Die Landwirtschaft ist ein fester Bestandteil der Nahrungsmittelsysteme, und es gibt ein vielfältiges Spektrum an Lebensmitteln, die in der EU erzeugt werden.
  • Die EU ist bezüglich der meisten landwirtschaftlichen Rohstoffe weitgehend autark. Sie ist auch der größte Exporteur von Agrar-Nahrungsmitteln, inklusive verarbeiteten Lebensmitteln (EK, 2016a).

 

Zu den beiden größten Problemen, mit denen die Landwirtschaft in Europa konfrontiert ist, zählen der Klimawandel (EUA, 2017c) und die Landnutzung, d. h. die Umwandlung von Land in Siedlungen und Infrastrukturanlagen (EUA, 2017a). Der Klimawandel macht eine Anpassung der Pflanzensorten erforderlich. Er verursacht extreme Wetterverhältnisse und erfordert daher ein umfassendes Risikomanagement (weitere Informationen über die Anpassung an den Klimawandel finden Sie in den Arbeiten der EUA in diesem Bereich oder auf der Climate-ADAPT-Plattform). Die Landnutzung führt in vielen Regionen zu einem Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Wichtige Trends

Obwohl die Entwicklung des Agrarsektors von vielen Faktoren und auch von regionalen Unterschieden innerhalb des Sektors abhängt, lassen sich einige wichtige Trends auf europäischer Ebene beobachten. Der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen an der Gesamtfläche ist rückläufig, und der Sektor ist von der Flächeninanspruchnahme betroffen, d. h. von der Umwandlung von Agrarflächen in Siedlungen und Infrastrukturanlagen. Unabhängig davon ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe rückläufig, während die durchschnittliche Betriebsgröße zunimmt.

Alle drei Faktoren – Landnutzung, Intensivierung und Extensivierung – führen zu einem Verlust an ökologisch wertvollen landwirtschaftlichen Flächen und zu einem Rückgang der Feldvogelpopulation.

In den vergangenen Jahren war der Agrarsektor zunehmend von extremen Wetterereignissen betroffen. Hagel, starke Regenfälle, Überschwemmungen und Dürren infolge des Klimawandels haben zu geringeren Ernteerträgen geführt (EUA, 2017c).

Politischer Kontext

Die Entwicklung des Agrarsektors wird stark von der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU beeinflusst (siehe Köster, 2010). Seit ihren Anfängen Mitte des 20. Jahrhunderts zeichnet sich die EU Agrarpolitik durch einen starken wirtschaftlichen Fokus aus. In den letzten 50 Jahren hat sich jedoch die Art der gewährten Subventionen verändert, und die hauptsächlich sektororientierte Politik verlagerte sich hin zu einer integrierteren ländlichen Entwicklungspolitik mit Struktur- und Agrarumweltmaßnahmen. Derzeit stützt sich die GAP auf folgende zwei Hauptsäulen: Über die erste Säule werden Direktzahlungen an Landwirte und Marktinterventionen finanziert, und im Rahmen der zweiten Säule werden Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums gefördert.

Im Zeitraum 2010-2014 betrug der durchschnittliche Anteil der EU-Subventionen am landwirtschaftlichen Faktoreinkommen[1] mehr als 35 % und der Anteil der Direktzahlungen an Landwirte 28 %. Dabei erstreckten sich die Werte von über 90 % (Subventionen insgesamt) und rund 45 % (Direktzahlungen) in der Slowakei bis hin zu rund 15 % und 12 % in den Niederlanden (EPRS, 2017). Im Juni 2018 ist der Legislativvorschlag der Europäischen Kommission für die GAP nach 2020 veröffentlicht worden. Er strebt eine größere Leistungsorientierung im Bezug auf die Beiträge zu den Umwelt- und Klimazielen an.

Die landwirtschaftliche Produktion ist auch Gegenstand anderer Bereiche der EU Politik und internationaler Politik, von denen einige – z. B. die Nitratrichtlinie und die Wasserrahmenrichtlinie – bereits in der Architektur der GAP zum Ausdruck kommen. Darüber hinaus hat die Energie- und Klimapolitik in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise auch den Anstieg der Energiepflanzenproduktion vorangetrieben (OECD/FAO, 2017).

Ferner spielt der Sektor eine wichtige Rolle bei der Verwirklichung der Ziele der Strategie der EU zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDG).

Tätigkeiten der EUA

Die EUA arbeitet mit anderen EU-Organisationen zusammen, z. B. bei der Entwicklung des von Agrarumweltindikatoren (AUI). Die Daten der EUA werden im Rahmen der Überwachung und Evaluierung der GAP verwendet, z. B. als Input für die Zusammenstellung bestimmter Kontextindikatoren. Im Rahmen ihrer Beteiligung am Copernicus-Landüberwachungsdienst untersucht die EUA die Möglichkeiten einer zunehmenden Nutzung von Copernicus-Daten für Bewertungen im Hinblick auf die Landwirtschaft und Umwelt. Außerdem versucht sie, den Bedürfnissen des Agrarsektors an Erdbeobachtungsdaten und -produkten, z. B. für die Anwendung von Präzisionstechnologien für die Landwirtschaft, gerecht zu werden.

Neben einer engen Kooperation mit anderen EU-Organisationen arbeitet die EUA auch mit den nationalen Referenzzentren im Bereich Umwelt und Landwirtschaft zusammen. Diese Zentren sind Bestandteil des Europäischen Umweltinformations- und Umweltbeobachtungsnetzes (Eionet) der EUA, in dem die 39 EUA-Länder vertreten sind. Darüber hinaus gibt es Synergien mit der Arbeit anderer internationaler Organisationen wie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Die EUA arbeitet auch mit der Forschungsgemeinschaft und mit Expertengremien zusammen, z. B. mit Projektteams, die im Rahmen des Programms Horizont 2020 unterstützt werden.

 

Jüngste Veröffentlichungen

Im zuletzt veröffentlichten Bericht der EUA mit dem Titel „Food in a green light“ werden die Nahrungsmittelproduktion und der Nahrungsmittelkonsum unter dem Aspekt des Lebensmittelsystems erörtert.



[1] Das landwirtschaftliche Faktoreinkommen misst die Entlohnung aller Produktionsfaktoren (Boden, Kapital und Arbeit), unabhängig davon, ob diese sich im Besitz des Betriebs befinden oder nicht. Es repräsentiert den Gesamtwert, der von einem landwirtschaftlichen Betrieb erzeugt wurde, der eine Produktionstätigkeit ausübt. Es errechnet sich aus dem Produktionswert zu Erzeugerpreisen abzüglich der Aufwendungen der Landwirtschaft für Vorleistungen, Abschreibungen und Produktionsabgaben, und inklusive der Subventionen. (Basierend auf: GD AGRI, 2017)

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Use of freshwater resources Despite renewable water is abundant in Europe, signals from long-term climate and hydrological assessments, including on population dynamics, indicate that there was 24% decrease in renewable water resources per capita across Europe between 1960 and 2010, particularly in southern Europe. The densely populated river basinsin different parts of Europe, which correspond to 11 % of the total area of Europe, continue to be hotspots for water stress conditions, and, in the summer of 2014, there were 86 million inhabitants in these areas. Around 40 % of the inhabitants in the Mediterranean region lived under water stress conditions in the summer of 2014. Groundwater resources and rivers continue to be affected by overexploitation in many parts of Europe, especially in the western and eastern European basins. A positive development is that water abstraction decreased by around 7 % between 2002 and 2014. Agriculture is still the main pressure on renewable water resources. In the spring of 2014, this sector used 66 % of the total water used in Europe. Around 80 % of total water abstraction for agriculture occurred in the Mediterranean region.  The total irrigated area in southern Europe increased by 12 % between 2002 and 2014, but the total harvested agricultural production decreased by 36 % in the same period in this region. On average, water supply for households per capita is around 102 L/person per day in Europe, which means that there is 'no water stress'. However, water scarcity conditions created by population growth and urbanisation, including tourism, have particularly affected small Mediterranean islands and highly populated areas in recent years. Because of the huge volumes of water abstracted for hydropower and cooling, the hydromorphology and natural hydrological regimes of rivers and lakes continue to be altered. The targets set in the water scarcity roadmap, as well as the key objectives of the Seventh Environment Action Programme in the context of water quantity, were not achieved in Europe for the years 2002–2014.

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