Ressourceneffizienz und Abfall

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Seite Zuletzt geändert 10.03.2017
Die globalen Umweltprobleme, denen wir heute gegenüberstehen, sind weitgehend dem Raubbau an den natürlichen Ressourcen - u. a. (fossile) Brennstoffe, Bodenschätze, Wasser, Boden und Artenvielfalt - durch den Menschen geschuldet. Es zeigt sich immer deutlicher, dass das vorherrschende Modell der wirtschaftlichen Entwicklung Europas mit seinem hohen Ressourcenverbrauch, Abfallaufkommen und hoherUmweltverschmutzung langfristig nicht mehr tragbar ist. Die Europäische Union (EU) ist heute in hohem Maße auf Einfuhren angewiesen, und wir benötigen das Doppelte der gesamten Landfläche der EU, um unseren Ressourcenbedarf zu decken. Viele der Ressourcen werden nur für kurze Zeit genutzt, oder sie gehen der Wirtschaft verloren, weil sie auf Deponien landen oder zu minderwertigen Materialien recycled werden (Downcycling). Dies beeinträchtigt nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Die Lösung liegt auf der Hand, ist allerdings nicht ganz einfach: Erzielung eines wirtschaftlichen Wachstums mit weniger natürlichen Ressourcen oder - anders ausgedrückt - „Aus Weniger mach mehr“. Die Verbesserung unserer Ressourceneffizienz ist daher ein zentraler Bestandteil einer langfristigen Umweltpolitik, was sich in strategischen Dokumenten wie etwa dem Siebten Umweltaktionsprogramm (7. UAP), dem Fahrplan der EU für ein ressourcenschonendes Europa und dem Aktionsplan der EU für die Kreislaufwirtschaft niederschlägt.

Einleitung

Die europäische Wirtschaft benötigt eine ununterbrochene und ungestörte Versorgung mit  natürlichen Ressourcen und Materialien einschließlich Wasser, Agrarprodukte, Holz, Metalle, Mineralien und Energieträger ununterbrochen, wobei ein wesentlicher Teil dieser Materialien aus Einfuhren stammt. Diese Abhängigkeit könnte immer kritischer werden, da sich der weltweit ausgetragene Wettstreit um natürliche Ressourcen verschärft.

Viele natürliche Ressourcen sind weltweit ungleich verteilt, mit der Folge, dass der Zugang dazu immer unbeständiger wird, die Preise zunehmend schwanken und das Konfliktpotential steigt. Schwankende Preise können auch zu Störungen von Wirtschaftszweigen führen, die auf diese Ressourcen angewiesen sind, und Unternehmen dazu zwingen, Beschäftigte zu entlassen, Investitionen zurückzustellen oder die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen einzustellen.

Zugleich ist der rasante Anstieg bei der Gewinnung und beim Abbau natürlicher Ressourcen mit einer Vielzahl von negativen Auswirkungen auf die Umwelt innerhalb und außerhalb Europas verbunden. Die Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung, die Versauerung der Ökosysteme, der Verlust biologischer Vielfalt und das Abfallaufkommen gefährden das kurz-, mittel- und langfristige wirtschaftliche und soziale Wohlergehen.

Eine Steigerung der Ressourceneffizienz ist im Interesse nachhaltiger sozioökonomischer Fortschritte in einer Welt endlicher Ressourcen und einer begrenzten Kapazität der Ökosysteme von zentraler Bedeutung, reicht jedoch nicht aus. Schließlich ist die Steigerung der Effizienz lediglich ein Hinweis darauf, dass die Leistung schneller wächst als der Ressourcenverbrauch und die Emissionen. Sie ist kein Garant für eine absolute Verringerung der Umweltbelastung auf ein Niveau, das in Europa und weltweit langfristig nachhaltig ist.

Die Nachhaltigkeit der europäischen Produktions- und Verbrauchssysteme kann nicht nur danach bewertet werden, ob die Produktion schneller wächst als der Ressourcenverbrauch und die damit verbundene Belastung („relative Entkoppelung“). Es muss vielmehr auch berücksichtigt werden, ob es Anzeichen für eine „absolute Entkoppelung“ gibt, bei der die Produktion steigt, während der Ressourcenverbrauch sinkt.

Neben der Entkopplung von Ressourcenverbrauch und wirtschaftlicher Leistung muss aber auch bewertet werden, ob die Umweltauswirkungen des Ressourcenverbrauch der Gesellschaft verringert werden („Entkoppelung von Umweltauswirkungen“).

 

EU-Politik zum Thema

Im 7. UAP wird die Erhöhung der Ressourceneffizienz als eines der drei Hauptziele zur Verwirklichung der Vision 2050 „Gut leben innerhalb der Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten“ genannt:

  • Schutz, Erhaltung und Verbesserung des Naturkapitals der Union;
  • Übergang zu einer ressourceneffizienten, umweltschonenden und wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaftsweise in der Union;
  • Schutz der Unionsbürger vor umweltbedingten Belastungen, Gesundheitsrisiken und Risiken für die Lebensqualität.

Diese Ziele sind eng miteinander verknüpft und mit unterschiedlichen, aber miteinander verbundenen politischen Strategien unterlegt, etwa dem Fahrplan der EU für ein ressourcenschonendes Europa und dem Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen, CO2-armen Wirtschaft.

Ein weiteres Bündel politischer Maßnahmen zielt auf eine Verschiebung von einem linearen Wachstumsmuster „Entnehmen - Herstellen - Verbrauchen - Entsorgen“ hin zu einem Kreislaufmodell ab, das darauf beruht, den Nutzen der Produkte, Bestandteile und Materialien beizubehalten und ihren Wert für die Wirtschaft zu erhalten. Wie im Aktionsplan der EU für die Kreislaufwirtschaft ausgeführt, erfordert dies Veränderungen in sämtlichen Wertschöpfungsketten einschließlich bei der Produktgestaltung, bei Geschäftsmodellen, Konsumentscheidungen und der Vermeidung und Bewirtschaftung von Abfällen. Die EU-Abfallgesetzgebung ist dabei eine der wichtigsten treibenden politischen Kräfte.

 

Aktivitäten der Europäischen Umweltagentur

Die EUA analysiert Materialflüsse und Abfallstatistiken, erstellt entsprechende Indikatoren und nimmt Bewertungen vor. Der politische Fortschritt wird in drei parallelen Berichtsserien zu den Themen Abfallbewirtschaftung, Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz analysiert. Eine übergreifende Sicht wird in den jährlichen Kreislaufwirtschaftsberichten und den Beiträgen zu integrierten Gutachten, etwa in „Die Umwelt in Europa - Zustand und Ausblick 2020“ (SOER2020) der EUA, dargestellt.

Dabei werden regelmäßig maßgeschneiderte Analysen ausgewählter Aspekte der Politik einer effizienten Ressourcennutzung, wie Überwachungskonzepte, Umweltziele, marktorientierte Instrumente und andere Interventionsstrategien, erstellt.

Die Mitwirkung aller Beteiligten und der Aufbau von Wissenskapazitäten in Verbindung mit diesen Bewertungen ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit, wobei regelmäßige EIONET Workshops mit den nationalen Referenzzentren für Abfälle und für eine ressourceneffiziente Wirtschaft und die Umwelt stattfinden.

 

Ausblick

Die derzeitige Arbeit ist hauptsächlich auf die Verbesserung der Wissensgrundlagen für Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und Abfall ausgerichtet. Es sind Beiträge zu SOER2020 geplant, bei denen themenbezogene Informationen (Abfall und Ressourcenverbrauch) sowie eine systemische Analyse des Übergangs zu einer Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt stehen. 

 

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