Evaluierung der Fortschritte Europas zur Verwirklichung der Klima- und Energieziele bis 2020

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Article Veröffentlicht 26.01.2018 Zuletzt geändert 24.05.2018
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Die Europäische Union (EU) hat sich zur Verwirklichung mehrerer Klima- und Energieziele verpflichtet, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, die Energieeffizienz zu erhöhen und die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen zu fördern. Wie kann die EUA die von den EU-Mitgliedstaaten zur Erreichung dieser Ziele erzielten Fortschritte messen? Wir haben Melanie Sporer, Sachverständige der EUA für Klimaschutz und Energie, gebeten, die Rolle der Agentur bei dieser Aufgabe zu erklären. Sie hat die jährlichen Fortschritte der Zielerreichung auch im neuesten Bericht „Trends und Prognosen“ erläutert.
© Perry Wunderlich, NATURE@work /EEA

© Perry Wunderlich, NATURE@work /EEA

Weshalb arbeitet die EUA einen Bericht über „Trends und Prognosen“ aus? Weshalb ist dieser Bericht relevant?

Unser jährlicher Bericht „Trends und Prognosen“ ist ein wichtiger Bestandteil der Datenprüfung und Datenberichterstattung, die wir vornehmen. Wir evaluieren die Fortschritte der Mitgliedstaaten und der EU als Ganzes, was die Verwirklichung der gesetzlich festgelegten Klima- und Energieziele anbelangt. Diese Ziele bestehen unter anderem darin, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 20 % zu reduzieren, den Anteil erneuerbarer Energiequellen am Brutto-Endenergieverbrauch auf 20 % zu steigern und ein Energieeffizienzziel von 20 % zu erreichen.

Das Ziel der Evaluierung ist, den aktuellen Stand der Fortschritte der EU insgesamt und der einzelnen Mitgliedstaaten bezüglich der Erfüllung dieser Zielvorgaben zu ermitteln. So können wir feststellen, ob mehr Anstrengungen nötig sind, um die Ziele bis 2020 sowie die langfristigen Ziele bis 2030 und darüber hinaus (2050) zu erreichen. Im Bericht werden sämtliche Daten und Informationen über den Fortschritt der Zielerreichung im Detail zusammengefasst und analysiert. Der Bericht spielt nicht nur für politische Entscheidungsträger auf EU- und nationaler Ebene eine wichtige Rolle, sondern auch für Nichtregierungsorganisationen, Forscher und die Öffentlichkeit, wenn sie den Fortschritt der Zielerreichung und die verschiedenen Emissionstrends verstehen wollen. Die Tatsache, dass die Daten von den Ländern selbst übermittelt (und von der EUA geprüft) werden, ermöglicht es uns außerdem, direkt diejenigen Länder hervorzuheben, die ihren Ambitionen nicht gerecht werden.

Was sind die Hauptelemente des diesjährigen Berichts „Trends und Prognosen“?

Die wichtigsten Ergebnisse des diesjährigen Berichts sind, dass die EU insgesamt nach wie vor auf Kurs ist, ihre Ziele in allen drei Bereichen bis 2020 zu erreichen. In den Mitgliedstaaten sieht die Lage jedoch unterschiedlich aus. Und auch wenn wir uns die ambitionierteren langfristigen Ziele ansehen, wird im Bericht deutlich, dass wir unsere Bemühungen diesbezüglich wirklich verstärken müssen.

Wenn es um die Senkung der Treibhausgasemissionen geht, lag die EU bereits 2015 unterhalb des Ziels von 20 %, und die Emissionen wurden auch im Jahr 2016 weiter reduziert. In diesen Jahren war eine Verringerung von 22 % bzw. 23 % im Vergleich zum Jahr 1990 zu verzeichnen.

Was erneuerbare Energien betrifft, haben wir in den Jahren 2015 und 2016 ausreichend Fortschritte erzielt, um dem vorgesehenen Zielpfad hin zum 20 %-Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch voraus zu sein. Der stetige Einsatz von erneuerbaren Energiequellen im EU-Energiemix setzt sich fort und die EU als Ganzes liegt bei rund 17 %. Wenn wir im aktuellen Tempo fortfahren, erneuerbare Energien einzusetzen, würde die EU das Ziel für 2030, ein Energieverbrauch aus erneuerbaren Quellen in Höhe von 27 %, erfüllen. Es liegen jedoch Hinweise darauf vor, dass sich der Einsatz von erneuerbaren Energiequellen 2015 und 2016 im Vergleich zum durchschnittlichen Tempo seit 2005 etwas verlangsamt hat. Ohne eindeutige nationale Vorschriften könnte sich die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen nach 2020 noch weiter verlangsamen.

Was die Energieeffizienz anbelangt, sieht es in diesem Jahr etwas anders aus. Zwischen 2005 und 2014 ist ein Abwärtstrend beim Energieverbrauch insgesamt zu verzeichnen. In den Jahren 2015 und 2016 hat der Energieverbrauch etwas zugenommen, was noch nicht bedeutet, dass wir den langfristigen Trend verändert haben, sondern nur dass wir diese Entwicklung genau beobachten müssen. Es ist wichtig, dass zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass die EU auf Kurs bleibt. Die Mitgliedstaaten müssen ihre Bemühungen verstärken, ihren Energieverbrauch in Grenzen zu halten, insbesondere wenn sich das aktuelle Wirtschaftswachstum fortsetzt. Hierbei spielen auch die jeweiligen Ambitionen eine Rolle. Den Mitgliedstaaten steht es frei, ihre eigenen nationalen Ziele zu bestimmen, doch zusammengenommen sind die nationalen Ziele weniger ehrgeizig als das auf EU-Ebene festgelegte Ziel. In anderen Worten, die Ambitionen der Länder insgesamt sind aktuell nicht hoch genug, um das EU-Ziel zu erreichen.

Konkret welche Bereiche bereiten Schwierigkeiten für die Verwirklichung der Ziele?

Wenn es um die Reduzierung von Emissionen geht, sind es definitiv die sogenannten Nichtemissionshandelssektoren, wie etwa Verkehr, Gebäude - Haushalte und Dienstleistungen und Landwirtschaft, die den Mitgliedstaaten Probleme bereiten. Die Emissionen dieser Sektoren werden im EU-Emissionshandelssystem nicht abgedeckt. Die Mitgliedstaaten verfügen gemäß der Effort-Sharing-Entscheidung (ESD) über nationale Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen für diese Sektoren. Trotz des allgemeinen Abwärtstrends in den Nichtemissionshandelssektoren sind die Emissionen im Verkehrssektor in den letzten Jahren wieder gestiegen. Darüber hinaus sagen die Mitgliedstaaten aktuell nur begrenzte Rückgänge bei den ESD-Emissionen bis 2030 voraus. Die größten Rückgänge werden im Sektor Gebäude – Haushalte und Dienstleistungen erwartet.

Welche Daten liegen dem Bericht „Trends und Prognosen“ zugrunde? An welchen anderen Projekten in Bezug auf die Ziele bis 2020 arbeitet die EUA?

Bei der EUA führen wir viele Datenanalysen durch, einschließlich Qualitätsprüfungen und Fortschrittsevaluierungen, häufig in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission. Wir veröffentlichen Indikatoren, die die Evaluierungen ergänzen. Wir erstellen außerdem Länderprofile für Klima und Energie, die Ländervergleichstabellen und die Fortschritte bei der Erreichung der nationalen Ziele beinhalten. Die meisten der verwendeten Daten werden von den Mitgliedstaaten im Rahmen der EU-Berichtsverfahren übermittelt.

Wir sind auch an der jährlichen Überprüfung der Treibhausgasemissionen gemäß der Effort-Sharing-Entscheidung beteiligt (wonach die Mitgliedstaaten zwischen 2013 und 2020 jährliche Emissionsziele haben). Jedes Jahr prüft die EU, ob diese Ziele von den Mitgliedstaaten eingehalten werden. Die EUA spielt eine wichtige Rolle bei diesem Prozess: Wir koordinieren die jährliche Datenüberprüfung der Treibhausgasemissionen. Wir prüfen nicht, ob die Ziele eingehalten werden, aber wir bereiten alle Daten vor, prüfen die Qualität und stellen sicher, dass die Daten gemäß der internationalen Berechnungsvorschriften widerspruchsfrei und vergleichbar sind. Es handelt sich hierbei um eine wirklich große Aufgabe, die wir zusammen mit rund 22 Prüfern aus verschiedenen Mitgliedstaaten zwischen Januar und Juni durchführen.

Die Agentur arbeitet auch an anderen damit in Zusammenhang stehenden Berichten. Es wird schon bald ein neuer Bericht über erneuerbare Energien veröffentlicht werden. Diese verschiedenen Analysen werden auch in unseren Hauptbericht über den „Zustand der Umwelt“ einfließen, der bis 2020 veröffentlicht werden soll.

 

Melanie Sporer

Sachverständige der EUA für Klimaschutz und Energie

Interview aus der Ausgabe Nr. 2017/4 des EUA-Newsletters vom 15. Dezember 2017

 

 

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