Eine Verbesserung der Luftqualität in europäischen Städten bringt deutliche Vorteile für die Gesundheit

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Nachrichten Veröffentlicht 06.10.2017 Zuletzt geändert 12.10.2017
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Die meisten in europäischen Städten lebenden Menschen sind schlechter Luftqualität ausgesetzt. Den jüngsten heute veröffentlichten Schätzungen der Europäischen Umweltagentur (EUA) zufolge ist Feinstaub nach wie vor Ursache für den vorzeitigen Tod von jährlich über 400 000 Menschen in Europa. Straßenverkehr, Landwirtschaft, Heizkraftwerke, Industrie und Haushalte sind in Europa die größten Emittenten von Luftschadstoffen.

 Image © Rastislav Staník, My City /EEA

Als Gesellschaft sollten wir die mit der Luftverschmutzung verbundenen Kosten nicht hinnehmen. Durch mutige Entscheidungen und umsichtige Investitionen in saubereren Verkehr, sauberere Energie und Landwirtschaft können wir sowohl die Luftverschmutzung bekämpfen, als auch unsere Lebensqualität verbessern. Es ist ermutigend zu sehen, dass zahlreiche europäische Regierungen und insbesondere Städte beim Schutz der Gesundheit der Menschen durch die Verbesserung der Luftqualität mit gutem Beispiel vorangehen. Jeder hat das Recht auf reine Luft, auch Menschen, die in den Städten leben.

Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA

Der Bericht der EUA zur Luftqualität in Europa im Jahr 2017 „Air quality in Europe – 2017“ enthält eine aktuelle Analyse der Luftqualität und ihrer Auswirkungen, die auf offiziellen Daten von über 2 500 Überwachungsstationen in ganz Europa aus dem Jahr 2015 basiert. Die EUA hat ihren Bericht anlässlich der Europäischen Woche der Regionen und Städte 2017 vorgelegt.

Aus den Daten geht hervor, dass sich die Luftqualität in Europa langsam verbessert, was auf vergangene und laufende politische Strategien und technologische Entwicklungen zurückzuführen ist. Dennoch haben die hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft immer noch erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen in Europa, wobei die größte Belastung von Feinpartikeln, Stickstoffdioxid (NO2) und bodennahem Ozon (O3) ausgeht.

Dem Bericht zufolge waren Feinstaubkonzentrationen (PM2,5) 2014 für schätzungsweise 428 000 vorzeitige Todesfälle in 41 europäischen Ländern verantwortlich; rund 399 000 Fälle davon entfielen auf die EU der 28. Die schlechte Luftqualität wirkt sich auch deutlich auf die Wirtschaft aus, indem sie die Kosten für die medizinische Versorgung in die Höhe treibt, die Produktivität der Arbeitnehmer mindert und Boden, Pflanzen, Wäldern, Seen und Flüssen schädigt.

„Als Gesellschaft sollten wir die mit der Luftverschmutzung verbundenen Kosten nicht hinnehmen. Durch mutige Entscheidungen und umsichtige Investitionen in saubereren Verkehr, sauberere Energie und Landwirtschaft können wir sowohl die Luftverschmutzung bekämpfen, als auch unsere Lebensqualität verbessern“, erklärte der Exekutivdirektor der EUA, Hans Bruyninckx. „Es ist ermutigend zu sehen, dass zahlreiche europäische Regierungen und insbesondere Städte beim Schutz der Gesundheit der Menschen durch die Verbesserung der Luftqualität mit gutem Beispiel vorangehen. Jeder hat das Recht auf reine Luft, auch Menschen, die in den Städten leben.“

Aus dem Bericht der EUA geht hervor, dass die schlechte Luftqualität weiterhin beträchtliche Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Die Europäische Kommission ist entschlossen, dieses Problem zu bekämpfen und die Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, ihren Bürgerinnen und Bürgern eine Luftqualität von höchstem Niveau zu gewährleisten“, sagte Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, Meerespolitik und Fischerei.

Der diesjährige Bericht widmet sich in einem besonderen Schwerpunkt ferner der Landwirtschaft, die ein wichtiger Emittent von Luftschadstoffen und Treibhausgasen ist. In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass für die Verringerung von Emissionen aus der Landwirtschaft zwar ein breites Spektrum von Maßnahmen, unter anderem technisch und wirtschaftlich realisierbare Maßnahmen, zur Verfügung steht, diese Möglichkeiten jedoch noch nicht in dem erforderlichen Umfang und mit der erforderlichen Intensität genutzt werden.

(1) Städtische Bevölkerung in der EU, die zwischen 2013 und 2015 schädlichen Konzentrationen von Luftschadstoffen ausgesetzt waren, gemessen an:

(2) EU-Grenzwerten/-Zielwerten

(3) WHO-Leitlinien

Wichtige Ergebnisse

  • Partikel: 2015 waren 7 % der städtischen Bevölkerung in der EU der 28 PM2,5-Konzentrationen ausgesetzt, die über dem EU-Jahresgrenzwert lagen. Bei rund 82 % überstiegen diese Expositionswerte die strengeren Leitlinien der WHO. 2014 waren Expositionen gegenüber PM2,5-Konzentrationen Ursache für den vorzeitigen Tod von schätzungsweise 428 000 Menschen in 41 europäischen Ländern.
  • Stickstoffdioxid: 2015 waren 9 % der städtischen Bevölkerung in der EU der 28 NO2-Konzentrationen ausgesetzt, die über dem EU-Jahresgrenzwert und den WHO-Leitlinien lagen. 2014 waren Expositionen gegenüber Stickstoffdioxid Ursache für den vorzeitigen Tod von schätzungsweise 78 000 Menschen in 41 europäischen Ländern.
  • Bodennahes Ozon: 2015 waren 30 % der städtischen Bevölkerung in der EU der 28 O3-Konzentrationen ausgesetzt, die über dem EU-Sollwert lagen. Bei rund 95 % überstiegen diese Expositionswerte die strengeren Leitlinien der WHO. 2014 waren Expositionen gegenüber O3 Ursache für den vorzeitigen Tod von schätzungsweise 14 400 Menschen in 41 europäischen Ländern.

Hintergrundinformationen zu gesundheitsbezogenen Schätzungen

Die in diesem Bericht angegebenen Schätzwerte für Auswirkungen auf die Gesundheit beziehen sich auf die PM2,5-, NO2- und O3-Expositionen im Jahr 2014 in Europa. Diese Schätzungen basieren auf Informationen über Luftverschmutzung, demografischen Daten und dem Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Schadstoffkonzentrationen und bestimmten gesundheitlichen Auswirkungen.

Als vorzeitige Todesfälle gelten Todesfälle, die vor dem Erreichen eines erwarteten Alters einer Person eintreten. Als erwartetes Alter wird in der Regel die übliche Lebenserwartung für ein Land und ein Geschlecht zugrunde gelegt. Bei vorzeitigen Todesfällen wird davon ausgegangen, dass sie durch die Beseitigung ihrer Ursache hätten vermieden werden können.

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