Weitere Maßnahmen erforderlich, um die am stärksten gefährdeten Bürger Europas vor Luftverschmutzung, Lärm und extremen Temperaturen zu schützen

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Nachrichten Veröffentlicht 04.02.2019 Zuletzt geändert 08.02.2019
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Es sind gezielte Maßnahmen erforderlich, um arme und ältere Menschen sowie Kinder besser vor Umweltgefahren wie Luftverschmutzung, Lärm und Extremtemperaturen zu schützen, insbesondere in den östlichen und südlichen Regionen Europas. In einem heute veröffentlichten Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) wird davor gewarnt, dass die Gesundheit der am schutzbedürftigsten Bürger Europas nach wie vor unverhältnismäßig stark von diesen Gefahren betroffen ist, obwohl sich die Umweltqualität in Europa insgesamt verbessert hat.

 Image © Elena Georgiou, My City /EEA

Trotz des sehr großen Erfolgs der europäischen Politik im Laufe der Jahre hinsichtlich der Verbesserung unserer Lebensqualität und des Umweltschutzes wissen wir, dass in der gesamten EU mehr getan werden kann, um sicherzustellen, dass alle Europäer, unabhängig von Alter, Einkommen oder Bildung, gut vor den Umweltgefahren geschützt sind, denen wir uns gegenübersehen

Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA

Der EUA-Bericht „Unequal exposure and unequal impacts: social vulnerability to air pollution, noise and extreme temperatures in Europe“ (Ungleiche Exposition und ungleiche Auswirkungen: soziale Anfälligkeit für Luftverschmutzung, Lärm und Extremtemperaturen in Europa) macht auf die engen Zusammenhänge zwischen sozialen und ökologischen Problemen in ganz Europa aufmerksam. Die Verbreitung dieser Umweltgefahren und ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit spiegeln die Unterschiede bei den Quoten für Einkommen, Arbeitslosigkeit und Bildung in Europa.

Obwohl die EU- Politik und Gesetzgebung in den letzten Jahrzehnten sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch in Bezug auf die Umweltqualität zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen geführt haben, bestehen immer noch regionale Ungleichheiten. Im Bericht wird hervorgehoben, dass eine bessere Abstimmung der Sozial- und Umweltpolitik und verbesserte Maßnahmen auf lokaler Ebene erforderlich sind, um Fragen der Umweltgerechtigkeit erfolgreich anzugehen.

„Die Europäische Kommission hat stets betont, dass wir in Umweltfragen ein Europa sind, das schützt. Dieser Grundsatz lässt sich am besten prüfen, indem untersucht wird, wie wir gefährdete, schwache und schutzbedürftige Menschen schützen. Die Europäische Umweltagentur verdient Anerkennung für ihren Bericht, in dem beleuchtet wird, inwieweit arme, alte und sehr junge Menschen am stärksten von schlechter Luftqualität, übermäßigem Lärm und extremen Temperaturen bedroht sind. Er ist Grundlage unserer Bemühungen, dafür zu sorgen, dass wir ein Europa sind, das alle schützt“, so Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, maritime Angelegenheiten und Fischerei.

„Trotz des sehr großen Erfolgs der europäischen Politik im Laufe der Jahre hinsichtlich der Verbesserung unserer Lebensqualität und des Umweltschutzes wissen wir, dass in der gesamten EU mehr getan werden kann, um sicherzustellen, dass alle Europäer, unabhängig von Alter, Einkommen oder Bildung, gut vor den Umweltgefahren geschützt sind, denen wir uns gegenübersehen“, so Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA.

Exposure to PM2.5 mapped against GDP per capita, 2013-2014

Note: Exposure is expressed as population-weighted concentrations; mapped for NUTS 3 regions. 
Source: Based on ETC/ACM (2018a).

 

Annual number of cooling degree days (CDDs; 1990-2016 average) mapped against long-term unemployment (left) and proportion of people 75 years old or older (right), 2013-2014

Note: Number of cooling degree days per year is the 1990-2015 average. The long-term unemployment rate and the percentage of people 75 years old or older are classified using quantiles, i.e. five equal intervals. Mapped for NUTS 2 regions. 
Source: EEA based on the E-OBS dataset (updated from Haylock et al., 2008) and Eurostat.

Wichtige Erkenntnisse

Luftverschmutzung und Lärmbelastung

  • Die osteuropäischen Regionen (darunter Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien) und die Regionen in Südeuropa (darunter Spanien, Portugal, Italien und Griechenland), in denen das Einkommens- und Bildungsniveau niedriger ist und die Arbeitslosenquoten über dem europäischen Durchschnitt liegen, waren stärker von Luftschadstoffen wie Feinstaub (PM) und bodennahem Ozon (O3) betroffen.
  • Wohlhabendere Regionen, einschließlich Großstädte, weisen im Durchschnitt tendenziell höhere Stickstoffdioxidwerte (NO2) auf, was vor allem auf die hohe Konzentration des Straßenverkehrs und der Wirtschaftstätigkeit zurückzuführen ist. Innerhalb dieser Regionen sind es jedoch nach wie vor die ärmeren Bevölkerungsgruppen, die in der Regel den höheren lokalen NO2-Werten ausgesetzt sind.
  • Die Exposition gegenüber Lärm ist viel stärker örtlich begrenzt als die Exposition gegenüber Luftverschmutzung und die Umgebungswerte variieren über kurze Entfernungen erheblich. Die Analyse ergab einen vorläufigen Zusammenhang zwischen der Lärmbelastung in Städten und niedrigeren Haushaltseinkommen, was darauf hindeutet, dass Städte mit ärmeren Bevölkerungsgruppen einen höheren Lärmpegel aufweisen.

Extremtemperaturen

  • Die südlichen und südöstlichen Regionen Europas sind stärker von höheren Temperaturen betroffen. Viele Regionen in Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sind auch durch niedrigere Einkommens- und Bildungsniveaus, höhere Arbeitslosenquoten und einen höheren Anteil älterer Personen gekennzeichnet. Diese soziodemografischen Faktoren können die Fähigkeit des Einzelnen, auf Hitze zu reagieren und diese zu vermeiden, einschränken und somit zu negativen gesundheitlichen Folgen führen.
  • In Teilen Europas sind viele Menschen aufgrund von schlechten Wohnverhältnissen und der Energiepreise nicht in der Lage, ihre Zuhause ausreichend warm zu halten. Folglich werden weiterhin Krankheiten und Todesfälle zu verzeichnen sein, die mit kalten Temperaturen in Zusammenhang stehen .

Was wird unternommen, um das Problem zu bewältigen?

Die Europäische Union (EU) als Ganzes hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte bei der Verringerung der Luftverschmutzung erzielt und die Mitgliedstaaten haben verschiedene EU-Maßnahmen umgesetzt, um die Anpassung an den Klimawandel zu verbessern. Die Regionalpolitik der EU hat sich bei der Bewältigung sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheiten als hilfreich erwiesen. Eine Reihe von regionalen und städtischen Behörden trägt ebenfalls aktiv dazu bei, die Auswirkungen von Umweltgefahren auf die am meisten schutzbedürftigen Mitglieder der Gesellschaft zu verringern:

  • Eine verbesserte Raumplanung und ein besseres Straßenverkehrsmanagement, wie etwa die Einführung von Umweltzonen in Stadtzentren, helfen, die Exposition gegenüber Luftverschmutzung und Lärm in Gebieten zu verringern, in denen sozial schwächere Gruppen leben.
  • Ein Verbot bestimmter heimischer Brennstoffe wie Kohle führt ebenfalls zu einer verbesserten Luftqualität in einkommensschwachen Gebieten. Dieses muss jedoch mit Subventionen für die Umstellung auf umweltfreundlichere Heizmöglichkeiten für Haushalte mit niedrigem Einkommen kombiniert werden.
  • Beispiele für Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor Flug- und Straßenlärm sind die Bereitstellung von Lärmschutzwänden und Schutzanlagen in Außenspielbereichen.
  • Viele nationale und lokale Behörden haben Aktionspläne zur Verbesserung der Notfallmaßnahmen aufgestellt, um älteren Menschen und anderen gefährdeten Gruppen bei Hitzewellen oder Kälteeinbrüchen zu helfen. Dies wird häufig durch Gemeinschafts- oder Freiwilligeninitiativen ergänzt.
  • Die Anpassung an den Klimawandel hilft bei der Vorbereitung auf immer häufiger auftretende und extreme Hitzewellen. Insbesondere die Bereitstellung von mehr Grünflächen trägt zur Kühlung der Stadtzentren bei und bringt den Stadtbewohnern Vorteile für Gesundheit und Lebensqualität.

Hintergrund der Bewertung

Umweltverschmutzung und andere Umweltgefahren stellen gesundheitliche Risiken für alle dar, wirken sich jedoch auf einige Menschen aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustands stärker aus. Die Fähigkeit des Einzelnen, diese Gefahren zu vermeiden oder zu bewältigen, wird auch durch sein Einkommen, seinen Beschäftigungsstatus oder seinen Bildungsstand beeinflusst. Im Bericht der EUA werden die Zusammenhänge zwischen sozialen und demografischen Ungleichheiten und der Exposition gegenüber Luftverschmutzung, Lärm und Extremtemperaturen anhand verschiedener Maßstäbe bewertet.

Temporal coverage

Dokumentaktionen
Europäische Umweltagentur (EUA)
Kongens Nytorv 6
1050 Kopenhagen K
Dänemark
Telefon: +45 3336 7100