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Wiederherstellung der natürlichen Welt

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Article Veröffentlicht 17.05.2022 Zuletzt geändert 07.06.2022
Europa hat sich ehrgeizige politische Ziele gesetzt, damit die Natur sich erholen und gedeihen kann und die Gesellschaft mehr Nutzen aus einer gesunden Natur ziehen kann. Von Schutzgebieten und grüner und blauer Infrastruktur bis hin zu Wiederherstellung, Rewilding und naturbasierten Lösungen für den Klimawandel: Es muss viel getan werden, um die Verschlechterung der Gesundheit der Natur umzukehren.

Der Schutz der Natur ist der erste Schritt. Die Biodiversität in Europa nimmt weiter ab, aber in letzter Zeit gab es positive Entwicklungen bei Wäldern, Säugetieren und Vögeln, die von Naturschutzmaßnahmen profitieren.

Derzeit fallen die Bemühungen um die Erhaltung von mehr als 2 000 Arten unter EU-Rechtsvorschriften wie die Vogelschutzrichtlinie und die Habitat-Richtlinie. Das Herzstück dieser Richtlinien ist das Natura-2000-Netz von Schutzgebieten der EU, das weltweit größte seiner Art. Es erstreckt sich über 18 % der Landfläche der EU und 8 % des Meeresgebiets der EU.

Einige der wertvollsten und am stärksten bedrohten Arten und Lebensräume in Europa werden im Rahmen des Natura-2000-Netzes geschützt. In den Schutzgebieten gibt es Brut- und Rastplätze für seltene und bedrohte Arten, und einige seltene Lebensräume sind selbst als Gebiete ausgewiesen.

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Ziel der neuen EU-Biodiversitätsstrategie ist es, das Schutzgebiete bis 2030 auf mindestens 30 % der Landfläche der EU und auf 30 % der umliegenden Meere auszuweiten. Primäre und alte Wälder sowie andere kohlenstoffreiche Ökosysteme wie Torfgebiete und Grünland werden im Mittelpunkt der Naturschutzanstrengungen stehen.

© Mateusz Piesiak, REDISCOVER Nature /EEA,

Darüber hinaus ist im Rahmen der Strategie vorgesehen, bis 2030 mindestens 3 Mrd. Bäume zu pflanzen, um die Biodiversität und die Wiederherstellung von Ökosystemen zu fördern. Außerdem sollen mehr Wälder so bewirtschaftet werden, dass Praktiken zugunsten der Biodiversität gefördert werden.

Verbindungspunkte herstellen

Die Entwicklung des transeuropäischen Naturnetzwerks durch die Vergrößerung von Schutzgebieten, um das 30-Prozent-Ziel zu erreichen, ist Teil der Biodiversitätsstrategie. Viele Natura-2000-Schutzgebiete sind bereits durch natürliche und naturnahe Landschaften miteinander verbunden, die Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Hochwasserschutz und Erholung erbringen und für die Abschwächung des Klimawandels und des Katastrophenrisikos unerlässlich sind. Das Smaragd-Netzwerk der Gebiete mit besonderem Schutzinteresse, zu dem die EU im Rahmen von Natura 2000 beiträgt, unterstützt ebenfalls diese Anstrengungen. Zusammen bilden diese Gebiete ein europaweites Netz grüner Infrastrukturen. Studien deuten darauf hin, dass die Natur innerhalb dieses Netzwerkes besser geschützt ist, da es ein größeres Gebiet umfasst, das die erforderlichen Leistungen erbringt und in dem die Ökosysteme weniger belastet werden.

Doch Hindernisse wie Straßen, Eisenbahnstrecken, städtische Gebiete und landwirtschaftliche Flächen zerschneiden die Landschaft, schränken die Bewegung von Arten ein und behindern die Entwicklung des Netzwerkes. Eine bessere Verknüpfung des Netzwerks trägt dazu bei, den Zustand der Lebensräume zu verbessern, den Verlust an Biodiversität zu verhindern und die Erbringung von Ökosystemleistungen zu fördern.

Frei fließendes Wasser

Hindernisse beeinträchtigen die Gesundheit der europäischen Gewässer. An den europäischen Flüssen gibt es mehr als 1 Mio. Hindernisse, darunter Dämme, Wehre und Schleusen. Die meisten sind klein und veraltet. Sie tragen erheblich zum schlechten Zustand der Natur in unseren Flüssen bei, da viele Arten zum Gedeihen freie Fließgewässer benötigen und derzeit die Bewegung von Sedimenten flussabwärts verhindert wird, was zu Blockaden führt und die Lebensräume verändert.

Mit der Biodiversitätsstrategie wird das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2030 mindestens 25 000 km frei fließende Flüsse wiederherzustellen, indem Hindernisse beseitigt, Umgehungsstrecken für wandernde Fische gebaut und der Sedimentfluss wiederhergestellt werden. Bis Oktober 2020 wurden in Europa fast 5 000 Staudämme beseitigt, wie Daten aus 11 Ländern belegen. Die Wiederherstellung von Überflutungs- und Feuchtgebieten ist ebenfalls ein wichtiger Teil dieser Arbeit.

Der Ruf der Wildnis

Während die oben erwähnten Lösungen eine intensive Bewirtschaftung erfordern, um die Natur wiederherzustellen, ist das Rewilding ein neuerer, natürlicherer Ansatz. Durch Ausweisen von Räumen, in denen natürliche Prozesse gefördert werden, kann sich die Natur erholen, sodass sie wieder in der Lage ist, sich selbst zu verwalten. Initiativen wie Rewilding Europe arbeiten daran, die Biodiversität in Europa auf diese Weise zu verbessern.

Derzeit gibt es acht große Rewilding-Gebiete in Bulgarien, Kroatien, Deutschland, Italien, Polen, Portugal, Rumänien und Schweden. In diesen Gebieten werden verschiedene Rewilding-Projekte durchgeführt, darunter die Wiederansiedlung freilebender Populationen europäischer Wisente in den rumänischen Südkarpaten und der Schutz von Raben- und Gänsegeiern in den Rhodopen in Bulgarien.

Europas Natur in Übersee

Die Regionen der EU in äußerster Randlage und die überseeischen Länder und Gebiete umfassen etwa die gleiche Landfläche wie die EU und die größten Meeresgebiete der Welt.

Die mehr als 150 überseeischen Inseln der EU beherbergen mehr als 20 % der weltweiten Korallenriffe und Lagunen und weisen eine sehr große Biodiversität auf. Allerdings sind diese Insel-Ökosysteme auch sehr anfällig für invasive Arten, menschliche Aktivitäten und die Auswirkungen des Klimawandels.

Die BEST-Initiative – Biodiversity and Ecosystem Services in Territories of European Overseas (Biodiversität und Ökosystemleistungen in europäischen Überseegebieten) – zielt darauf ab, den Schutz der Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemleistungen in den EU-Regionen in äußerster Randlage und den überseeischen Ländern und Gebieten zu unterstützen. Derzeit werden mit BEST-Projekten Erhaltungsmaßnahmen in EU-Gebieten auf der ganzen Welt, vom Amazonasgebiet und der Karibik bis hin zu Makaronesien und den Polarregionen unterstützt.

Vom Menschen geschaffene Systeme im Wandel

Die richtungsweisende Bewertung des Zustands der Umwelt in Europa durch die EUA hat gezeigt, dass wir zusätzlich zu den Erhaltungsmaßnahmen die Art und Weise, wie wir Lebensmittel und Energie produzieren und verbrauchen, wie wir die Städte, in denen wir leben, entwickeln und erleben und wie wir Menschen und Güter transportieren, grundlegend ändern müssen.

Landwirtschaftliche Tätigkeiten und andere Landbewirtschaftungspraktiken üben den größten Druck auf die Natur aus, wobei die Aufgabe von Grünland besonders große Auswirkungen auf Bestäuber, Feldvögel und naturnahe Lebensräume hat. Durch die Ausweitung des ökologischen Landbaus um ein Viertel, die Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln um die Hälfte bis 2030 und die Wiederherstellung einiger landwirtschaftlicher Flächen in Landschaften mit hoher Artenvielfalt werden wir zur Wiederherstellung der Biodiversität beitragen.

Städtische Grünflächen wurden während der COVID-19-Pandemie mehr denn je genutzt. Der Schutz solcher Flächen nimmt zu, aber die graue Infrastruktur dominiert oft noch, da die Stadtbevölkerung wächst. Durch die Biodiversitätsstrategie werden die Bürger aufgefordert, Pläne für die Begrünung der Städte zu entwickeln und städtische Parks, Gärten, Wiesen und Bauernhöfe anzulegen und miteinander zu verbinden sowie begrünte Dächer und Mauern zu errichten und Straßen mit Bäumen und Hecken zu säumen, damit die Biodiversität zurückkehren kann. Die Pläne sollten auch darauf abzielen, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten und zum Beispiel bestäuberfreundliche Gebiete in den Städten einzurichten.

Schließlich hat die Europäische Kommission einen Fahrplan für Null Verschmutzung in Europa vorgelegt, mit dem die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden beseitigt werden soll. Ziel ist es, die Nährstoffverluste um 50 % zu verringern, indem der Abfluss von Stickstoff und Phosphor aus Düngemitteln reduziert und gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit geschützt wird. Darüber hinaus soll mit der Strategie „Vom Hof auf den Tisch“38 für ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringert werden.

Anmerkung: Seit 2005 basiert die Flächenberechnung auf Geodaten. Bis 2005 wurden tabellarische Daten verwendet. Viele Gebiete sind sowohl unter der Habitat- als auch unter der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen. Diese Überschneidung wird bei der Berechnung der Fläche des Natura-2000-Gebiets erst seit 2001 berücksichtigt.
Quelle: Indikatorbewertung der EUA: Natura-2000-Gebiete gemäß der europäischen Habitat-/Vogelschutzrichtlinie.
Quelle: NATURA 2000 – GD ENV, zusammengestellt aus Datenbanken der Mitgliedstaaten. Quellen Hintergrundkarte: © EuroGlobalMap/Eurogeographics und GD ESTAT, Gültigkeit von NATURA-2000-Daten für Europa, aktualisiert Ende 2019. Projektion: Lambertsche flächentreue Azimutalprojektion..

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