Benutzerspezifische Werkzeuge

Nächste
Vorherige
Objekte

Weiter zum Inhalt | Springe zur Navigation

Sound and independent information
on the environment

Sie sind hier: Startseite / Artikel / Das Wasser, das wir essen – Die Bewässerungslandwirtschaft, eine schwere Last

Das Wasser, das wir essen – Die Bewässerungslandwirtschaft, eine schwere Last

Sprache ändern
Topics: , , ,
Die Landwirtschaft stellt in zunehmendem Maße eine große Bedrohung des Wasservorrats in Europa dar und erhöht die Gefahr von Wasserverknappung und der Schädigung des Ökosystems. Landwirte müssen angemessene finanzielle Anreize, Beratung und Unterstützung erhalten, damit eine nachhaltige Wassernutzung erreicht werden kann.

 Image © Griszka Niewiadomski/Stock.xchng

Nahrungsmittel sind für den Menschen lebensnotwendig. Gutes Essen ist wichtig für unsere Gesundheit und bereitet uns großen Genuss. Doch nicht nur das: Die landwirtschaftliche Erzeugung bildet für viele die Existenzgrundlage und spielt eine wichtige Rolle für die gesamte Wirtschaft.

Bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln wird jedoch viel Wasser verbraucht, das ebenso lebensnotwendig ist. In Europa liegt der Anteil der landwirtschaftlichen Wasserentnahmen bei 24 %. Verglichen mit den 44 %, die als Kühlwasser bei der Energiegewinnung entnommen werden, scheint dies nicht viel zu sein, doch sind die Auswirkungen auf den Wasservorrat viel schwerwiegender. Kühlwasser wird nämlich fast vollständig in einen Wasserkörper zurückgeleitet; in der Landwirtschaft gilt dies oft nur für ein Drittel des entnommenen Wassers.

Zudem fällt der Wasserverbrauch für landwirtschaftliche Zwecke in den verschiedenen europäischen Regionen unterschiedlich hoch aus. In einigen Regionen Südeuropas gehen über 80 % des Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft zurück. Im Sommer, wenn Wasser am wenigsten verfügbar ist, wird es in der Regel am meisten benötigt. Dies verschärft die negativen Auswirkungen zusätzlich.

Im jüngsten Bericht der EUA, „Water resources across Europe – confronting water scarcity and drought“ (Wasserressourcen in Europa – gegen Wasserknappheit und Dürre), werden die schwerwiegenden Folgen übermäßiger Wasserentnahme dargestellt. Der „Raubbau“ am Wasser erhöht die Wahrscheinlichkeit akuter Wasserknappheit während Trockenperioden. Darüber hinaus verschlechtert sich die Wasserqualität aufgrund der höheren Schadstoffkonzentration. In Küstenregionen erhöht sich zudem das Risiko, dass Salzwasser in das Grundwasser eindringt. Das Ökosystem von Flüssen und Seen kann ebenfalls stark beeinträchtigt werden. Sinkt deren Wasserspiegel oder trocknen sie gar ganz aus, stellt dies eine mitunter tödliche Bedrohung für Pflanzen und Tiere dar.

In vielen Regionen Südeuropas sind die Folgen bereits zu sehen. Beispiele:

  • Im Konya-Becken (Türkei) wurde so viel Wasser für die Bewässerung entnommen (ein großer Teil durch illegale Bohrbrunnen), dass sich die Wasseroberfläche des Tuz Gölü, des zweitgrößten Sees des Landes, drastisch verringerte.
  • In der Argolis-Ebene (Griechenland) zeugen Blattschäden und Blattverlust bei Pflanzen von der toxischen Wirkung des Chlorids – eine Folge des in das Grundwasser eingedrungen Salzwassers. Bohrlöcher trockneten dort aufgrund des extrem hohen Salzgehalts aus oder wurden stillgelegt.
  • In Zypern musste im Jahr 2008 wegen massiver Wasserknappheit mit Hilfe von Tankfahrzeugen Wasser importiert werden. Die Wasserversorgung von Privathaushalten wurde gedrosselt und der Wasserpreis schoss in die Höhe.

Falsche Anreize

In einigen Teilen Europas ist der hohe Wasserverbrauch durch die Landwirtschaft offensichtlich nicht länger tragbar. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Nachfrage auch durch Regulierungs- und Preismechanismen nicht wirksam geregelt werden konnte.

Landwirte greifen aufgrund des zu erwartenden Produktivitätsgewinns zu Bewässerungsmethoden, die mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden sind. In Spanien beispielsweise werden auf nur 14 % der bewässerten Nutzfläche über 60 % des Gesamtertrags der landwirtschaftlichen Erzeugnisse erzielt.

Landwirte werden ihre Anbauflächen allerdings nur dann bewässern, wenn die dadurch erzielten höheren Erträge die Kosten abdecken, die für die Installation von Bewässerungsanlagen und die Entnahme großer Wassermengen anfallen. In dieser Hinsicht sind durch die nationale und europäische Politik ungünstige Anreize entstanden. Landwirte tragen selten die vollen ressourcen- und umweltbezogenen Kosten für die großen, öffentlichen Bewässerungsanlagen (insbesondere, wenn Gesetze zum Verbot oder zur Einschränkung der Wasserentnahme nicht wirksam durchgesetzt werden). Bis zu kürzlich umgesetzten Reformen wurden durch Subventionen der EU oft Anreize für wasserintensive Landwirtschaft geschaffen.

Das Ausmaß des dadurch entstehenden Wasserverbrauchs ist alarmierend. Im Jahr 2004 ergab eine vom WWF in Spanien durchgeführte Studie zur Bewässerung von vier Nutzpflanzen, dass fast eine Milliarde m3 Wasser allein für die Erzeugung eines über den EU-Quoten liegenden Ernteüberschusses verbraucht wurde. Diese Menge entspricht dem privaten Wasserverbrauch von mehr als 16 Millionen Menschen.

Der Klimawandel dürfte die Situation noch verschärfen. Erstens werden heißere, trockenere Sommer die Wasserressourcen stärker belasten. Zweitens haben die Europäische Union und die Mitgliedstaaten beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 insgesamt 10 % des Kraftstoffs im Verkehr aus Biokraftstoff hergestellt werden soll. Wenn der wachsende Bedarf an Bioenergie durch die derzeitig verwendeten Energiepflanzen der ersten Generation gedeckt werden soll, so wird dies den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft weiter erhöhen.

Welcher Weg soll eingeschlagen werden?

In einigen Teilen Europas spielt die Bewässerungslandwirtschaft für die lokale und nationale Volkswirtschaft eine zentrale Rolle. Ein Verzicht darauf könnte in einigen Regionen Landflucht und schwere wirtschaftliche Notlagen auslösen. Der Wasserverbrauch für landwirtschaftliche Zwecke muss deshalb effizienter gestaltet werden, damit nicht nur für die Bewässerung, sondern auch für die in den betroffenen Regionen lebenden Menschen, für eine gesunde Umwelt und für andere Wirtschaftssektoren ausreichend Wasser vorhanden ist.

Der Wasserpreis stellt hierbei einen Kernmechanismus dar, über den Anreize geschaffen werden können, die den Wasserverbrauch auf ein Maß regulieren, das den wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bedürfnissen gleichermaßen Rechnung trägt. Untersuchungen haben gezeigt, dass Landwirte die Bewässerung reduzieren oder Maßnahmen zur Verbesserung der Wassereffizienz ergreifen, wenn die Preise die realen Kosten widerspiegeln, illegale Wasserentnahme wirksam kontrolliert wird und sich der Wasserpreis nach dem Volumen richtet. Mittels nationaler und EU-Subventionen können zusätzliche Anreize für die Einführung von Wassersparmaßnahmen geschaffen werden.

Wenn diese Anreize erst einmal bestehen, steht den Landwirten für eine Senkung ihres Wasserverbrauchs eine große Auswahl an Technologien, Verfahren und Nutzpflanzen zur Verfügung. Regierungen spielen auch hier eine bedeutende Rolle, denn sie stellen Informationen, Beratungsangebote und Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung, die Landwirte über ihre Möglichkeiten aufklären und die Grundlage für weitere Forschung bilden. Besonderes Augenmerk sollte darauf gelegt werden, dass der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft durch die Einführung von Energiepflanzen zur Deckung des Biokraftstoffbedarfs gesenkt und nicht noch weiter erhöht wird.

Wenn schließlich alle Mittel zur Senkung des Wasserbedarfs erschöpft sind, können Landwirte auch Möglichkeiten für alternative Quellen nutzen. In Zypern und Spanien beispielsweise wurden Anbauflächen mit geklärtem Abwasser bewässert, was zu viel versprechenden Ergebnissen geführt hat.

Geographical coverage

[+] Show Map

Dokumentaktionen

Kommentare

Europäische Umweltagentur (EUA)
Kongens Nytorv 6
1050 Kopenhagen K
Dänemark
Telefon: +45 3336 7100