Die Zukunft der Energie in Europa gestalten: sauber, intelligent und erneuerbar

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Article Veröffentlicht 21.09.2017 Zuletzt geändert 28.09.2017
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Unsere Lebensqualität hängt unter anderem auch von einer zuverlässigen Versorgung mit Energie zu einem erschwinglichen Preis ab. Wir brauchen Energie, um unsere Häuser und Wohnungen zu heizen und zu kühlen, unser Essen zuzubereiten und zu konservieren, zu reisen, und um Schulen, Krankenhäuser und Straßen zu bauen. Wir verwenden Maschinen, um vielerlei Aufgaben auszuführen, was zu unserem Wohlstand und Wohlbefinden beiträgt, und Maschinen benötigen Energie. Für den größten Teil der Energie, die wir nutzen, verbrennen wir noch immer fossile Brennstoffe. Außerdem verschwenden wir einen erheblichen Teil dieser Energie vor und während der Nutzung.

©Maurizio Consentino, My City /EUA

Die Verbrennung fossiler Brennstoffe betrifft uns alle auf die eine oder andere Weise. Denn sie setzt Luftschadstoffe in die Atmosphäre frei und schadet so unserer Gesundheit. Außerdem  setzt sie Treibhausgase frei, und trägt so zum Klimawandel bei, der in zunehmendem Maße heftige Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen auslöst. Unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern kann auch den pH-Wert der Ozeane verändern, ein Sauerstoffdefizit in Seen bewirken und die Ernteerträge beeinträchtigen.

Dass wir Energie brauchen, ist unumstritten, doch muss diese Energie nicht unbedingt durch die Verbrennung fossiler Energieträger gewonnen werden. Wir befinden uns in einer kritischen Entscheidungsphase: die negativen Auswirkungen unserer derzeitigen Wahl der Energieträger einerseits und die Chancen, die saubere Energiequellen bieten, andererseits. Wir können uns dafür entscheiden, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen fortzusetzen, und so die Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unseren Planeten noch verstärken. Oder aber wir können uns dafür entscheiden, uns für neue und umweltfreundlichere Möglichkeiten zu öffnen und uns damit von einigen unserer derzeitigen Vorlieben und Gewohnheiten verabschieden. Dies könnte bedeuten, dass in den kommenden Jahrzehnten alle Straßenfahrzeuge elektrisch werden, alle Dächer mit Solarziegeln gedeckt werden, alle Gebäude isoliert und damit vor Wärmeverlust geschützt sind und alle Produkte so konzipiert werden, dass sie länger halten und problemlos wiederverwendet und recycelt werden können. Es könnte aber auch bedeuten, dass wir die Subventionen für fossile Brennstoffe einstellen. Viele Länder bezuschussen diese weiterhin, trotz wiederholter Verpflichtungserklärungen und Aufforderungen auf internationalen Plattformen, diese Subventionen innerhalb von zehn Jahren schrittweise abzubauen.

In den letzten zehn Jahren gab es ein verstärktes politisches Engagement, die weltweiten Treibhausgasemissionen zu senken, das im Pariser Abkommen vom Dezember 2015 gipfelte. Selbst in Ländern, deren politische Führung weltweiten Bemühungen skeptisch gegenübersteht, melden sich lokale und regionale Behörden, Unternehmen, Investoren und Bürger zu Wort und bekennen sich zu einer emissionsarmen Welt. Ebenso haben sich in den vergangenen zehn Jahren auch die Wissenschaftsgemeinde und Unternehmen Neuerungen einfallen lassen, die zum Wachstum der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenergie geführt haben, die weit über den Erwartungen lagen. Dank der technologischen Entwicklungen und einer wirksamen Unterstützung durch die Politik einschließlich finanzieller Anreize konnte Elektrizität aus Wind- und Sonnenenergie preislich tatsächlich mit Strom aus anderen Energiequellen konkurrieren.

Infolgedessen wird ein wachsender Anteil des Energiebedarfs Europas  aus umweltfreundlichen, erneuerbaren n n Energiequellen gedeckt. Erneuerbare Energie war und ist nicht nur entscheidend, um die langfristigen Klimaschutz- und Energieziele Europas zu erreichen, sondern auch für den Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit.

Gewinnung, Lagerung, Transport und Einsparung von Energie

Trotz dieser positiven Vorzeichen stehen wir noch immer vor großen Herausforderungen, um die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen auszuweiten und unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen allmählich abzubauen. Die Sonne versorgt unseren Planeten reichlich mit sauberer Energie. Doch sind wir noch immer nicht in der Lage, diese Energie in so ausreichendem Maße zu gewinnen, zu lagern und zu transportieren, dass wir sie dann und dort nutzen können, wenna und wo wir sie brauchen.

Dies ist weit mehr als nur eine technologische Herausforderung. Es geht dabei um eine ganz neue Art und Weise der Erzeugung und Nutzung von Energie, die mit einer Umstellung von einer sehr begrenzten Zahl großer Erzeuger, die vorrangig auf bestimmte Brennstoffe setzen, auf eine eher dezentrale Energiegewinnung durch viele Erzeuger verbunden ist, die das vor Ort vorhandene Potenzial an erneuerbaren Energien nutzen. Dezentrale und großräumig verteilte Kapazitäten für die Energieerzeugung können aber auch zur Energieversorgungssicherheit Europas beitragen und uns die Möglichkeit bieten, die überschüssige Energie von energiereichen Regionen in solche zu transportieren, die einen Energiemangel aufweisen. Auf lokaler Ebene könnte dieser neue Ansatz bedeuten, dass Haushalte zu Energieerzeugern werden und ihre Überproduktion über intelligente Netze (smart grids) an ihre Nachbarn verkaufen. Auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene würde dies  zu einer Vernetzung von Stromnetzen und Akteuren führen.

Energieeffizienz — und Ressourceneffizienz generell — ist ein ebenso entscheidender Aspekt der langfristigen Nachhaltigkeitsziele Europas. Allgemein wird derzeit nur ein Teil der Ausgangsenergie für die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen und für unsere Lebensqualität genutzt. Technologische Verbesserungen, besser isolierte Gebäude, intelligente Stromnetze, Energieeffizienzstandards und -siegel und vor allem der intelligente Umgang mit Energie durch die Nutzer — also uns alle — können zur Minderung der Energieverluste beitragen.

Einige Wirtschaftszweige wie etwa der Verkehrssektor dürften sich mit dem Umstieg auf sauberere Energiealternativen schwerer tun als andere. Im Straßenverkehr kann der aus erneuerbaren Energiequellen gewonnene Strom zu einer tragfähigen Alternative zu fossilen Brennstoffen werden, allerdings muss dann auch die Infrastruktur, beispielsweise ein Netzwerk von Ladestationen, entsprechend aufgebaut werden. Biokraftstoffe können ebenfalls zur Verringerung der Nutzung fossiler Brennstoffe im Verkehrswesen beitragen, allerdings muss ihr Gesamtnutzen gegen eine Reihe von Faktoren einschließlich der potenziellen Belastung, der die Boden- und Wassernutzung bei der Erzeugung ausgesetzt sind, abgewogen werden.

Saubere Energie im Werden

Trotz dieser Herausforderungen ist der Übergang zu sauberer Energie in Europa bereits im Gang.  Hausbesitzer, Städte, Unternehmen, Regionalbehörden, nationale Regierungen und die Europäische Union (EU) ergreifen Maßnahmen, indem sie intelligente Netze aufbauen, Solar- und Windenergie installieren, in Innovationen investieren und Normen und Gütesiegel übernehmen. Vorreiterstädte, die früher einmal für ihre Kohlebergwerke bekannt waren, zeigen Innovationsbereitschaft und setzen auf erneuerbare Energiequellen in dem Versuch, ihre jahrzehntelange Geschichte der Arbeitslosigkeit anzugehen. Der Sektor der erneuerbaren Energie in Europa ist trotz des wirtschaftlichen Abschwungs 2008 weiter gewachsen und beschäftigt inzwischen mehr als eine Million Menschen. Forscher untersuchen, wie sich noch mehr Solar- oder Gezeitenenergie gewinnen lässt. Allerdings müssen solche Bemühungen und Initiativen im kleinen Maßstab sehr viel umfassender auf dem ganzen Kontinent und in allen Wirtschaftszweigen aufgegriffen werden.

Dabei müssen wir Antworten auf schwierige Fragen finden, darunter auch auf die Frage, wie Gemeinden unterstützt werden können, die von der wirtschaftlichen Umstrukturierung infolge der Einstellung nicht nachhaltiger Technologien und Aktivitäten betroffen sein werden. Oder auch, ob die erneuerbaren Energieträger langfristig allesamt als sauber angesehen werden können oder nicht, und ob wir kurz- und mittelfristig auf Brückentechnologien angewiesen sein werden.

Wie jede grundlegende Veränderung erfordert auch diese Umstellung Zeit und Ressourcen, sie. S kann sich jedoch auf die langfristigen politischen Ziele und Unterstützungsmaßnahmen stützen. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die gesamte Infrastruktur und die Stromerzeugungskapazität intelligent und umweltfreundlich sind. Auch die Arbeitskräfte in Europa werden neue berufliche Fähigkeiten erwerben müssen, insbesondere in Gemeinden, die in hohem Maße auf fossile Brennstoffe wie Kohle angewiesen sind. Und die Wahl und die Investitionsentscheidungen, die wir heute treffen, werden unseren Weg für die kommenden Jahrzehnte bestimmen.

In einer Welt, in der sich den Erwartungen zufolge die weltweite Nachfrage nach Energie und Bodenschätzen vervielfachen und die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen dürften, gibt es nur eine gangbare Lösung. Und das ist genau das, worauf die EU hinarbeitet: eine CO2-arme Kreislaufwirtschaft, eine Energieunion, in der erneuerbare Energiequellen, Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie im Mittelpunkt stehen und in der all diese Aspekte durch Mittel gefördert werden, die in Infrastruktur, neue Fertigkeiten und Innovation investiert werden.

Hans Bruyninckx EEA Executive Director

Hans Bruyninckx

Exekutivdirektor der EUA

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