Leben mit dem Klimawandel

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Article Veröffentlicht 21.09.2015 Zuletzt geändert 15.09.2016 10:50
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Unser Klima ändert sich. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass die globale Durchschnittstemperatur steigt und Niederschlagsmuster sich verlagern. Die Erkenntnisse zeigen auch, dass die Gletscher, das arktische Meereseis und die Eisdecke in Grönland abschmelzen. Der fünfte Sachstandsbericht des zwischenstaatlichen Sachverständigenrats für Klimafragen verdeutlicht, dass der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachtete Anstieg der Treibhausgaskonzentration in erster Linie auf Emissionen im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten zurückzuführen ist. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe und eine veränderte Flächennutzung sind weitgehend für diesen Anstieg verantwortlich.
The Long Trip

The Long Trip  Image © Mariusz Warsinski, Environment & Me/EEA

Es ist eindeutig, dass wir die Treibhausgasemissionen weltweit wesentlich reduzieren müssen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Ebenso ist eindeutig, dass wir uns an das sich wandelnde Klima anpassen müssen. Sogar bei einer wesentlichen Reduzierung unserer Treibhausgasemissionen ist zu erwarten, dass unser Klima sich bis zu einem bestimmten Grad verändern wird - und die Auswirkungen dieses Vorgangs werden auf der ganzen Welt spürbar sein, auch in Europa. Man kann davon ausgehen, dass Überschwemmungen und Dürreperioden intensiver und häufiger auftreten. Wärmere Temperaturen, Veränderungen der Niederschlagsmengen und -muster oder extreme Wetterereignisse wirken sich bereits jetzt auf unsere Gesundheit, die natürliche Umgebung und unsere Wirtschaft aus.

Der Klimawandel wirkt sich auf uns aus

Möglicherweise ist es uns nicht bewusst, aber der Klimawandel betrifft uns alle: Landwirte, Fischer, Asthmapatienten, ältere Menschen, Kleinkinder, Stadtbewohner, Skifahrer und Strandbesucher. Extreme Wetterereignisse, wie Überschwemmungen und Sturmfluten können kleine Gemeinden verwüsten — und sogar ganze Regionen und Länder. Hitzewellen können die Luftverschmutzung verstärken, kardiovaskuläre und Atemwegserkrankungen verschlimmern und in bestimmten Fällen zum Tod führen.

Aufgrund der wärmeren Ozeane besteht das Risiko, dass die gesamte Nahrungskette und somit das Leben im Meer aus dem Gleichgewicht geraten und die bereits überfischten Bestände zusätzlich belastet werden. Höhere Temperaturen können auch die Fähigkeit des Bodens zur Kohlenstoffspeicherung verändern — und der Boden ist nach den Ozeanen die zweitgrößte Kohlendioxidsenke. Dürreperioden und höhere Temperaturen können sich auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken, indem sie den Wettbewerb wirtschaftlicher Sektoren um wertvolle Ressourcen wie Wasser und Land anheizen.

Diese Auswirkungen haben reale Verluste zur Folge. Neuere Forschungsarbeiten lassen vermuten, dass ohne Anpassungsmaßnahmen die auf Hitze zurückzuführenden Todesfälle in Europa bis zum Jahr 2100 auf 200 000 jährlich ansteigen könnten. Die Kosten für Schäden aufgrund von Flussüberschwemmungen könnten sich auf über 10 Mrd. EUR pro Jahr belaufen. Andere Auswirkungen des Klimawandels beinhalten die Schäden aufgrund von Waldbränden, reduzierten Ernteerträgen oder verlorenen Arbeitstagen durch Atemwegserkrankungen.

Angesichts solcher aktuellen und künftigen Auswirkungen bleibt den Europäern keine andere Wahl, als sich an den Klimawandel anzupassen. Es wurde bereits eine Anpassungsstrategie auf der Ebene der Europäischen Union eingeführt, durch die die Länder bei der Planung ihrer Anpassungsmaßnahmen unterstützt werden sollen. Und mehr als 20 europäische Länder haben mittlerweile nationale Anpassungsstrategien beschlossen.

Bestimmte fortdauernde Anpassungsprojekte beinhalten umfangreiche Programme zum Aufbau neuer Infrastruktur (z. B. Deiche und Hochwasserabflüsse). Andere beinhalten die Wiederherstellung der Ökosysteme, um es der Natur zu ermöglichen, die Auswirkungen des Klimawandels — wie ein Übermaß an Wasser oder Hitze - zu bewältigen. Verschiedene Initiativen und Finanzierungsmöglichkeiten zielen auf die Unterstützung von Ländern, Städten und Regionen ab, damit diese sich auf die Auswirkungen des Klimawandels und die Reduzierung der Treibhausgasemissionen vorbereiten können.

Reduzierung der Emissionen

Wie schwerwiegend sich der Klimawandel auswirkt wird davon abhängen, in welchem Umfang und wie schnell wir die Treibhausgasemissionen, die in die Atmosphäre freigesetzt werden, reduzieren können. Der Klimawandel gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Es handelt sich um ein globales Problem, das uns alle betrifft. Die Wissenschaftsgemeinde empfiehlt nachdrücklich eine Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperaturen sowie eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen, um den negativen Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken. Im Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen hat die internationale Gemeinschaft eine Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperaturen auf 2°C über dem vorindustriellen Niveau vereinbart.

Steigt die globale Durchschnittstemperatur mehr als 2°C, wird sich der Klimawandel sehr viel schwerwiegender auf unsere Gesundheit, unsere natürliche Umgebung und unsere Wirtschaft auswirken. Ein durchschnittlicher Anstieg um 2°C bedeutet, dass die Temperaturen in bestimmten Teilen der Welt um mehr als 2°C steigen, insbesondere in der Arktis, wo stärkere Auswirkungen die einzigartigen natürlichen Systeme bedrohen.

Die Europäische Union hat ehrgeizige langfristige Ziele zur Eindämmung des Klimawandels festgesetzt. 2013 hatte die EU ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich mit den Emissionen von 1990 bereits um 19 % reduziert. Das Ziel einer Reduktion von 20 % bis 2020 ist in greifbarer Nähe.

Ob bis 2030 eine Reduzierung der EU-Emissionen um mindestens 40 % und bis 2050 um 80-95 % erzielt wird, hängt teilweise von der Fähigkeit der EU ab, ausreichende Mengen öffentlicher und privater Mittel in nachhaltige und innovative Technologien zu lenken. Wirkungsvolle Kohlepreise und Richtlinien tragen dazu bei, Investitionen in klimafreundliche Innovationen, insbesondere in erneuerbare Energien und Energieeffizienz, zu leiten. In bestimmten Fällen könnten die Finanzierungsentscheidungen ebenfalls einen Rückzug aus bestimmten Sektoren und eine Restrukturierung anderer Bereiche bedeuten.

Emissionsreduzierungen der EU-Mitgliedstaaten würden das Problem nur teilweise lösen, weil die EU gegenwärtig lediglich etwa 10 % der globalen Treibhausgasemissionen freisetzt. Es ist eindeutig, dass das Erreichen des 2°C-Ziels globale Anstrengungen mit einer erheblichen Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen erfordert. Die wissenschaftliche Gemeinschaft schätzt, dass zur Erreichung des 2°C-Ziels vor dem Ende des Jahrhunderts lediglich ein begrenzter Kohlenstoffanteil in die Atmosphäre freigesetzt werden darf. Die Welt hat bereits die überwiegende Mehrheit dieses „Kohlenstoffbudgets" emittiert. Bei den aktuellen Emissionsraten wird die gesamte Kohlenstoffbilanz lange vor 2100 erschöpft sein.

Wissenschaftlichen Studien zeigen, dass die globalen Emissionen 2020 ihren Höchststand erreichen und anschließend zurückgehen müssen, um die Chancen auf eine Begrenzung des durchschnittlichen Temperaturanstiegs um 2°C zu erhöhen. In diesem Zusammenhang müssen die bevorstehenden Klimagespräche (COP21) in Paris zu einem Wendepunkt für ein globales Abkommen über die Reduzierung der Treibhausgasemissionen werden und für die Entwicklungsländer Unterstützung bereitstellen.

Eine kohlenstoffarme Zukunft bis 2050 ist möglich

Das Kernproblem sind nicht nachhaltige Verbrauchs- und Produktionsmuster. Unser kürzlich veröffentlichter Bericht „Die Umwelt in Europa — Zustand und Ausblick 2015" stützt sich auf in der europäischen Umwelt beobachtete Trends der letzten Zeit sowie auf globale Megatrends und ruft zu einem Übergang zu einer „grünen Wirtschaft" auf. Die grüne Wirtschaft ist eine nachhaltige Lebensweise, die uns Wohlstand ermöglicht — und zwar innerhalb der von unserem Planeten auferlegten Begrenzungen. Dieser Übergang beinhaltet strukturelle Veränderungen der Schlüsselsysteme, wie des Energie- und Transportsystems, die langfristige Investitionen in unsere Infrastruktur erfordern.

Die Europäer investieren bereits in diese Schlüsselsysteme. Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass alle gegenwärtigen und zukünftigen Investitionen uns der „Begrünung" unserer Wirtschaft einen Schritt näher bringen und uns nicht an einen nicht nachhaltigen Entwicklungspfad binden. Wenn wir heute die richtigen Investitionen tätigen, minimiert dies nicht nur die Gesamtkosten des Klimawandels. Auch das europäische Know-how kann im Zusammenhang mit der Förderung der Umweltbranchen — der Wirtschaft der Zukunft — gestärkt werden. Letzten Endes sind wir alle daran beteiligt, festzulegen, wie unser Leben mit dem Klimawandel aussehen wird.

Vielleicht wirken die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, entmutigend, doch wie groß die Herausforderungen auch sein mögen, das 2°C-Ziel liegt nach wie vor in greifbarer Nähe. Wir müssen nun den Mut und den Ehrgeiz aufbringen, auch tatsächlich danach zu greifen.

Hans Bruyninckx
EUA-Exekutivdirektor

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