Eindämmung des Klimawandels

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Article Veröffentlicht 21.09.2015 Zuletzt geändert 03.06.2016 01:12
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2014 war das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Es war auch ein weiteres Jahr in einer Serie von zunehmend wärmeren Jahrzehnten. Um die globale Erwärmung auf 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren, müssen die in die Atmosphäre freigesetzten Treibhausgase deutlich reduziert werden. Regierungen können Ziele festlegen, allerdings liegt es letztlich bei der Industrie, den Unternehmen, den Behörden vor Ort und den Haushalten, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Mit diesen Maßnahmen muss gewährleistet werden, dass die Emissionen reduziert, die atmosphärischen Treibhausgaskonzentrationen stabilisiert, der Temperaturanstieg gestoppt und der Klimawandel begrenzt werden.

 Image © Miroslav Milev, Environment & Me/EEA

Im Jahr 2014 lagen die globalen Temperaturen 0,69°C über dem weltweiten Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Wissenschaftler sind sich einig, dass die Erwärmung aufgrund von atmosphärischen Treibhausgasemissionen erfolgt, die hauptsächlich auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe durch den Menschen zurückzuführen sind. Diese Erwärmung verursacht wiederum den Klimawandel. Seit der industriellen Revolution ist der Anteil der in der Atmosphäre vorhandenen Treibhausgase ständig gestiegen.

Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Methan werden sowohl auf natürliche Weise als auch infolge menschlicher Aktivitäten freigesetzt. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe kommt zu dem in der Atmosphäre natürlich vorkommenden CO2 hinzu. Die weltweite Entwaldung verstärkt dieses Phänomen aufgrund der Abholzung von Bäumen, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen. Währenddessen spielen die Landwirtschaft und schlecht bewirtschaftete Deponien eine wichtige Rolle bei der Freisetzung von Methan. Hinzu kommt, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe ebenfalls zur Freisetzung von Luftschadstoffen wie Stickoxiden, Schwefeldioxid und Feinstaub führt. Einige dieser Schadstoffe können auch eine Rolle bei der Erwärmung (oder, im Fall von Aerosolen, der Kühlung) unseres Klimas spielen.

Aufgrund ihrer Persistenz in der Atmosphäre und der nicht lokal eingrenzbaren Auswirkungen der Konzentrationen sind die Auswirkungen dieser Gase auf das Erdklima eine globale Angelegenheit. Das bedeutet, dass ein globaler Pakt zur Eindämmung der Emissionen bei der Vorbeugung der fortgesetzten Beschleunigung des Klimawandels von zentraler Bedeutung ist.

Ein globaler Pakt zum Klimawandel

In diesem Jahr trifft sich die Konferenz der Vertragsparteien (COP) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen von 1992 (UNFCCC) in Paris, um den letzten Schritt in der internationalen politischen Reaktion auf den Klimawandel zu koordinieren. Die COP21 baut auf den Verhandlungen aus zwei Jahrzehnten auf und zielt darauf ab, ein ehrgeiziges, rechtlich verbindliches weltweites Abkommen zum Klimawandel zu erreichen, das Zielvorgaben für die Treibhausgasemissionen festlegt, die von allen Ländern einzuhalten sind. Es wird erwartet, dass das Abkommen auch Zielvorgaben und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel enthalten wird, mit einem besonderen Fokus auf anfällige Entwicklungsländer.

Die Anstrengungen der Europäischen Union zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zeigen Wirkung. Es wird erwartet, dass die EU ihr einseitiges Reduktionsziel (im Vergleich mit 1990) von 20 % vor dem für 2020 vereinbarten Termin erfüllen wird. Zudem beabsichtigt die EU, die Emissionen in der EU bis 2030 um mindestens 40 % zu senken und die EU- Wirtschaft bis 2050 weiter zu dekarbonisieren. Allerdings steigen die weltweiten Emissionen ungeachtet der zurückgehenden EU-Emissionen und des rückläufigen EU-Anteils an den weltweiten Emissionen.

Steuerungspolitiken und Zielfestlegungen

Auf der COP15 im Jahr 2009 in Kopenhagen wurde das ehrgeizige Ziel festgelegt, die globale Erwärmung auf 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Mit der COP21 wird beabsichtigt, ein „neues Instrument" einzuführen, durch das diese Begrenzung mit Maßnahmen unterlegt wird, die ab 2020 durchzuführen sind. Die Anpassung an den bestehenden Klimawandel, Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und die Förderung des Übergangs zu anpassungsfähigen, kohlenstoffarmen Gesellschaften und Wirtschaften sollten in diesem internationalen Abkommen eine wichtige Rolle spielen.

Vor der COP21 werden die nationalen Regierungen eingeladen, öffentlich zu erklären, welche Maßnahmen - so genannte beabsichtigte, national festgelegte Beiträge (INDCs) — sie sich im Rahmen des neuen weltweiten Abkommens durchzuführen verpflichten. Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben bereits ihre INDCs eingereicht, in dessen Rahmen sie sich auf eine Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 % im Vergleich mit 1990 verpflichten. Dieses verbindliche Ziel wird von der EU als Ganzes erreicht werden. Es steht auch im Einklang mit dem EU-Ziel, die EU- Treibhausgasemissionen bis 2050 im Vergleich mit 1990 um 80-95 % zu reduzieren. Die UNFCC beabsichtigt, vor der COP21 einen Synthesebericht dieser Zusagen zu veröffentlichen.

Um diese Verpflichtungen einzuhalten, müssen die Regierungen wirksame Strategien entwickeln und umsetzen. Beispielsweise ist das Emissionshandelssystem (ETS) der Europäischen Union ein zentraler Bestandteil der europäischen Eindämmungsbemühungen. Die Emissionen von ungefähr 12 000 Kraftwerken und Industriebetrieben in 31 Ländern werden begrenzt, indem eine Höchstgrenze für die Gesamtmenge der Treibhausgase, die emittiert werden dürfen, festgelegt wird. Diese Höchstgrenze wird mit der Zeit immer weiter gesenkt. Die Europäische Kommission schlägt vor, dass 2030 die ETS-Emissionen um 43 % niedriger liegen sollen als 2005. Die Unternehmen können Emissionszertifikate kaufen und verkaufen. Nach einem Jahr müssen sie den Behörden Zertifikate in dem Umfang zurückgeben, der den von ihnen verursachten Emissionen entspricht. Ansonsten werden sie mit empfindlichen Geldbußen bestraft. In diesem System erhält der Kohlenstoff einen monetären Wert, der diejenigen bevorteilt, die ihre Emissionen reduzieren. Das System strebt auch die Förderung von Investitionen in saubere, kohlenstoffarme Technologien an.

Die Botschaft der Regierungen an die Verschmutzer ist eindeutig: die Reduzierung von Emissionen demonstriert nicht nur Umweltbewusstsein, sondern macht auch wirtschaftlich Sinn.

Energie- und Materialverbrauch

Die Umweltauswirkungen industrieller Tätigkeiten sind hauptsächlich auf den Energieverbrauch, die chemischen Herstellungsprozesse und den Ressourcenverbrauch bei der industriellen Herstellung zurückzuführen. Bis vor kurzem wurde vermutet, dass größerer wirtschaftlicher Wohlstand und Wachstum automatisch mit stärkeren negativen Umweltauswirkungen verbunden sind. Allerdings begannen in den letzten zwei Jahrzehnten bestimmte Industrieländer, diese Verknüpfung zwischen wirtschaftlichem Wachstum und dem Energieund Materialverbrauch aufzubrechen. Diese Länder verwendeten weniger Materialien und Energie, um den gleichen Produktionswert bereitzustellen. Gleichzeitig reduzierten sie den Anteil an pro Energieeinheit freigesetztem Kohlenstoff. Dematerialisierung und Dekarbonisierung führten zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Die treibenden technologischen und verhaltensbezogenen Faktoren hinter dieser Entkopplung können Entwicklungsländer bei der Emissionsreduzierung unterstützen, während die Wirtschaften dieser Länder im Wachstum begriffen sind.

Die Energieversorgungsbranche stützte sich zur Stromerzeugung traditionell auf kohlenstoffreiche fossile Brennstoffe. Es sieht jedoch so aus, als ob die Emissionen der Branche weiter bis unter die aktuellen Zielvorgaben sinken, bedingt durch die derzeit laufende Umstellung auf eine effizientere Verbrennungstechnologie für Erdgas, kombiniert mit dem Wachstum erneuerbarer Energiequellen.

Die verarbeitende Industrie kann sich viel von der Natur abschauen. Umweltschutzmaßnahmen im industriellen Bereich sind ein Forschungsgebiet, in dessen Rahmen die Parallelen zwischen industriellen und natürlichen Systemen untersucht und Merkmale vorgeschlagen werden, die von der Industrie übernommen werden könnten. Beispielsweise werden in der Natur keine Materialien verschwendet. Alles, was nicht in einem bestimmten Prozess verwendet wird, wird recycelt und für die Verwendung an anderer Stelle umgewandelt. Abfallprodukte aus einem bestimmten Prozess werden zu Bausteinen für einen neuen Prozess, während das gesamte System von der Sonnenenergie gespeist wird.

Lebenszyklusanalysen (LCA) werden zunehmend eingesetzt, um zu erfassen, wie eine solche Wiederverwendung und das Recycling von Energie und Materialien zur Emissionsreduzierung beitragen können. Die LCA berücksichtigen den Gesamtenergieverbrauch sowie die in die Luft, in das Wasser und an den Boden abgegebenen Emissionen als Indikatoren einer potenziellen Umweltbelastung. Die Integration von LCA in Entscheidungsfindungen kann zu Umweltvorteilen und Kosteneinsparungen führen, während wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Alternativen gefördert werden.

Andere Sektoren müssen ebenfalls in künftige Emissionsreduzierungen einbezogen werden. Der Europäische Rat hat einer weiteren Emissionsreduzierung um 30 % im Vergleich mit 2005 in den Sektoren, die nicht durch den Emissionshandel abgedeckt werden, zugestimmt. Die EU-Entscheidung über die Verteilung der Anstrengungen (ESD) legt bis 2020 für die einzelnen Mitgliedstaaten verbindliche Jahreszielvorgaben für alle Emissionen dieser Sektoren fest, z. B. für Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Abfall. Der Verkehrssektor ist die Hauptemissionsquelle, die nicht vom Emissionshandel erfasst wird. Die Emissionsreduzierungen im Verkehrssektor bleiben begrenzt, auch die prognostizierten Emissionsreduzierungen im Rahmen der aktuellen Politik im landwirtschaftlichen Sektor sind begrenzt.

Städte und Haushalte müssen auch ihren Beitrag leisten

Bei der Eindämmung des Klimawandels geht es nicht nur darum, dass die Industrie Zielvorgaben einhalten oder übererfüllen muss. Auf nationaler, lokaler und individueller Ebene müssen wir alle einen Beitrag leisten. Vor allem Städte und Haushalte müssen handeln, um Emissionen zu reduzieren.

Die Städte stehen im Kampf gegen den Klimawandel an vorderster Front. Im März 2015 verständigten sich Vertreter aus 30 europäischen Städten darauf, ihre jährliche kollektive Kaufkraft in Höhe von 10 Mrd. EUR für den Kauf umweltfreundlicher Dienstleistungen und Waren in emissionsintensiven Sektoren, wie Transport, Wohnraumheizung und Energieversorgung zu verwenden. Diese Initiative ergänzt den Covenant of Mayors, eine europäische Bewegung, bei der sich lokale und regionale Behörden freiwillig dazu verpflichten, die Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen in ihren Gebieten zu erhöhen. Mit gegenwärtig 6 279 Unterzeichnern strebt die Bewegung an, das 20 %-Ziel der EU zur Reduzierung der Emissionen bis 2020 zu erreichen und zu übertreffen.

Den Haushalten kommt ebenfalls eine grundlegende Bedeutung zu. Verbrauchsmuster können die Emissionen sowohl direkt als auch indirekt beeinflussen. Zwischen 2000 und 2007 haben die Haushalte zunehmend Waren und Dienstleistungen mit einer reduzierten Umweltbelastung pro ausgegebenem Euro erworben. Insbesondere umweltfreundlicherer Wohnraum, Wasser, Verkehrs- und Lebensmittel, alkoholfreie Getränke, Strom und Brennstoffe wurden in diesem Zeitraum nachgefragt. Allerdings hat möglicherweise der Anstieg der Gesamtausgaben für viele dieser Verbrauchskategorien den Vorteil insgesamt wieder aufgehoben.

Solche Veränderungen im Verbrauch sowie Verbesserungen bei den Herstellungsprozessen und Dienstleistungen hatten eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen in allen bewerteten Verbrauchskategorien zur Folge. Es sind jedoch noch weitere Effizienzsteigerungen und eine Umstellung auf einen umweltfreundlichen Verbrauch nötig, falls der weltweite Verbrauch insgesamt weiter steigt. Zudem dürfen die Auswirkungen des europäischen Konsums von Waren, die außerhalb der EU hergestellt wurden, nicht unterschätzt werden.

Von globalen Zielen zu Maßnahmen vor Ort

Die Botschaft ist insgesamt eindeutig. Ein Klimapakt auf der COP21 ist von grundlegender Bedeutung - er wird entscheidend dazu beitragen, die Ziele für die Emissionsreduzierung und klare Vorgaben festzulegen, was bezüglich der Eindämmung des Klimawandels und der Anpassung an dieses Phänomen zu tun ist. Die Vereinbarung von Zielen zur Emissionsreduzierung allein kann den Klimawandel nicht aufhalten. Um diese Ziele zu erreichen, sind ausgearbeitete, ehrgeizige und verbindliche politische Strategien erforderlich, die zu Emissionsreduzierungen führen. Diese Strategien sollten für Industrie und Haushalte eine Katalysatorfunktion bereitstellen, um die Emissionen im Herstellungs- und Verbrauchsprozess zu senken.

Es ist offensichtlich, dass Emissionen aus wirtschaftlichen Aktivitäten eng mit unseren Verbrauchsmustern verknüpft sind. Lokale Behörden, Haushalte und Einzelpersonen können jeweils Druck auf die bestehenden Herstellungssysteme ausüben. Die Reduzierung unseres Verbrauchs und der Konsum von umweltfreundlicheren Waren und Dienstleistungen werden einen Wandel im Hinblick darauf zur Folge haben, wie diese Waren und Dienstleistungen hergestellt und verkauft werden. Letztlich fängt Klimaschutz zu Hause an.

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