Übergang in eine grüne Wirtschaft

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Article Veröffentlicht 09.07.2014 Zuletzt geändert 22.04.2016 11:32
Unsere Lebensqualität, Gesundheit und Arbeitsplätze hängen von der Umwelt ab. Allerdings drohen die Art und Weise sowie die Geschwindigkeit, mit der wir unsere natürlichen Ressourcen verbrauchen, unser Wohlergehen und die Fähigkeit der Natur, für uns zu sorgen, zu untergraben. Wir müssen die Weise, in der wir produzieren, konsumieren und leben, von Grund auf umgestalten. Wir müssen unsere Wirtschaft begrünen und der Wandel muss heute einsetzen.

 Image © Gülcin Karadeniz

Unser Planet verfügt über begrenzte Ressourcen, und zum aktuellen Zeitpunkt fördern und verbrauchen wir mehr Ressourcen, als die Erde auf nachhaltige Weise bereitstellen kann. Die natürlichen Ressourcen sind die Triebkraft für unsere Produktion und unseren Verbrauch, sie schaffen Wohlstand und Arbeitsplätze und tragen zu unserer Lebensqualität und unserem Wohlergehen bei.

Alles, was uns umgibt, kommt aus der Natur. Auf die eine oder andere Weise waren unsere Häuser, Fahrzeuge, Fahrräder, Lebensmittel, Kleider und Energie ein Bestandteil der Umwelt und sind es weiterhin. Wir fördern Rohstoffe, verarbeiten diese und schaffen unsere Gemeinschaften. Diese Verbindung mit der Umwelt und die Abhängigkeit von ihr waren schon immer wesentlich für unsere Existenz.

Der Umfang unseres Ressourcenverbrauchs hat jedoch ebenfalls eine Kehrseite. Wir üben einen derart starken Druck auf die Umwelt aus, dass wir eine Schwächung ihrer Fähigkeit riskieren, auch künftig für uns zu sorgen.

Unsere Tätigkeiten setzen Schadstoffe in unserer Atmosphäre frei und belasten unsere Ozeane mit Kunststoffen. Unsere Ökosysteme verändern sich schneller als früher, mit einer unnatürlichen Geschwindigkeit. Aufgrund der verstärkten Handelstätigkeit werden neue Arten eingeführt, die in der Lage sind, ganze Ökosysteme in Beschlag zu nehmen. Durch den Klimawandel verändern sich die Niederschlagsmuster. Die Ernteerträge werden unzuverlässiger und führen zum Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Es ist klar ersichtlich, dass bestimmte Regionen und Länder stärker gefährdet sind. Allerdings wirken sich bestimmte Umwelteinflüsse, wie die Luftverschmutzung, auf alle aus, wenn auch in unterschiedlichem Maß.

Der Druck von morgen zwingt uns, heute aktiv zu werden

Unser aktueller Verbrauch und die aktuelle Produktion sind mit mehr als 7 Milliarden Erdenbewohnern bereits nicht nachhaltig, wobei bis zur Jahrhundertmitte ein Anstieg der Erdbevölkerung auf 9 Milliarden prognostiziert wird, mit Millionen Menschen, die immer noch in Armut leben und einen höheren Lebensstandard anstreben.

Unser Ressourcenverbrauch beeinträchtigt und verringert das natürliche Kapital, das für die Aufrechterhaltung des Wohlergehens zukünftiger Generationen zur Verfügung stehen wird. In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass pro Person weniger Land und weniger Süßwasser zur Erzeugung der benötigten Nahrungsmittel zur Verfügung stehen wird.

Zur Gewährleistung unserer Lebensqualität und unseres langfristigen Wohlergehens müssen wir unsere Wirtschaft begrünen, wobei der Wandel sofort einsetzen muss. Aber wie können wir dies erreichen? Wie können wir unsere Wirtschaft so gestalten, dass die Umwelt erhalten bleibt und gleichzeitig unsere Lebensqualität sichergestellt wird?

Steigerung der Ressourceneffizienz in Europa

Zunächst müssen in unserer Wirtschaft die Ressourcen effizienter eingesetzt werden. Wir werden tatsächlich aus weniger mehr machen müssen. Wir müssen den Umfang der geförderten und verbrauchten Ressourcen verringern.

Zwar ist es wichtig, den Fluss neuer Materialien in den Fertigungsprozess zu reduzieren und die Herstellungsprozesse effizienter zu gestalten; dies ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Wir müssen ebenfalls den Materialverlust und den Abfall, die im Rahmen von Fertigung und Verbrauch anfallen, reduzieren.

Zwar es ist möglich, unsere Wirtschaft umzugestalten, allerdings erfordert dies Maßnahmen und Verpflichtungen über mehrere Jahrzehnte hinweg. Europa hat wesentliche Gewinne erzielt, indem es seine Ressourceneffizienz erhöht hat, allerdings gibt es hier noch viel zu tun.

Verschiedene EU-Strategien und Gesetzgebungen, wie Europa 2020, die richtungsweisende Initiative für ein ressourceneffizientes Europa, die Abfallrahmenrichtlinie oder das 7. Umweltaktionsprogramm sind bereits vorhanden und zielen darauf ab, bezüglich der wichtigen wirtschaftlichen Tätigkeiten im Rahmen eines langfristigen Wandels Nachhaltigkeit zu verankern.

Eine vollständige Umsetzung dieser politischen Strategien bietet zahlreiche Vorteile. Je gefertigte Einheit würden weniger Ressourcen verbraucht, was einem Beitrag zum Schutz und Erhalt der Umwelt gleichkäme. Parallel hierzu könnte die Wirtschaft von der grundlegenden Innovation und der gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen profitieren.

Street market

(c) Gülcin Karadeniz

Verringerung der Abfallmenge

Nehmen wir zum Beispiel den Lebensmittelabfall. Nach Schätzungen landen weltweit zwischen 30 % und 50 % der Lebensmittel im Abfall. Allein in der EU verwandeln wir beinahe 90 Millionen Tonnen von Lebensmitteln jährlich in Abfall, was nahezu 180 kg pro Person entspricht.

Lebensmittel werden in allen Phasen der Herstellung und der Verbrauchskette vergeudet. Für jedes nicht verbrauchte Lebensmittel verschwenden wir die Energie, das Wasser, die Arbeit und das Land, das für seine Erzeugung erforderlich war. Die in die Natur abgegebenen Treibhausgase und Dünger tragen zur Umweltzerstörung bei.
Kann das Lebensmittelsystem so verändert werden, dass der Nahrungsverschwendung Einhalt geboten wird und Verbraucher, Supermärkte und Lebensmittelhersteller gemeinsam darauf hinarbeiten, nur das zu erzeugen, zu verkaufen und zu kaufen, was auch gegessen wird?

Könnten wir Altprodukte – „Reste" aus einem Fertigungsprozess – als Ausgangsmaterialien in einem anderen Fertigungsprozess verwenden? Könnten wir eine „Kreislaufwirtschaft" schaffen, in deren Rahmen möglichst geringe Verluste anfallen? Eine bessere Entsorgung unseres Siedlungsabfalls zeigt, dass die potenziellen Gewinne im Hinblick auf die Wirtschaft und die Umwelt gewaltig sind.

Eine Begrünung der gesamten Wirtschaft – der europäischen und letztlich der weltweiten – ist eine gewaltige Aufgabe. Dies umfasst die Einbeziehung einer nachhaltigen Ressourcenverwendung in alle Aspekte unseres Lebens.

Projekte zur Ökoinnovation, erneuerbare Energiequellen und die allgemeine Forschung spielen eine wesentliche Rolle für die Gestaltung besserer Produkte und Verfahren und zur Reduzierung von Abfall. Die Wirtschaft könnte in Zusammenarbeit mit den Behörden und der Zivilgesellschaft nachhaltige Lösungen einführen, bis diese zum Allgemeingut werden. Beispielsweise könnten wir ein System schaffen, in dessen Rahmen wir Produkte, wie Werkzeug und Pkw, „anmieten" oder „ausleihen", anstelle diese zu besitzen? Auf diese Weise wären weniger Produkte erforderlich, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen.

Wir, die Verbraucher ...

Wir müssen unsere Wirtschaft ressourcenschonender gestalten und die Abfallmenge – oder die Verluste –, die auf diese Weise erzeugt werden, reduzieren. Bestimmte Wirtschaftsbereiche halten Werkzeuge für uns bereit, mit denen die Kosten und Schäden geschätzt werden können und erteilen Empfehlungen, wie wir Umweltbelange in unsere wirtschaftlichen Entscheidungen einbeziehen können. Wir benötigen jedoch mehr Innovation, mehr Forschung und ganz bestimmt eine langfristige Perspektive.

Als Verbraucher sind wir alle gefragt, den Wandel zu einer grünen Wirtschaft zu unterstützen. Unser Verbraucherverhalten wird stark beeinflusst durch unsere Bezugsgruppe und das soziale Umfeld, unsere Impulse und die uns zur Verfügung stehende Auswahl. Im Lauf der Geschichte haben sich die Verbrauchsmuster kontinuierlich weiterentwickelt. Wie können diese Flexibilität zu unserem Vorteil nutzen und den Kurs in Richtung Nachhaltigkeit umlenken.

Ungeachtet der Höhe unseres Einkommens und unseres Wohnorts hängen unsere Gesundheit und unser Wohlergehen von der Umwelt ab. Und wir alle tragen zum Wohlergehen der Umwelt bei.

In der Ausgabe von Signale 2014 werden diese Themen eingehend betrachtet.

Hans Bruyninckx

Hans Bruyninckx
Exekutivdirektor

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