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Dublin bekämpft die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit

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Martin Fitzpatrick ist Leitender Beauftragter für Umweltgesundheit im Referat „Überwachung der Luftqualität und Lärmbelastung“ des Stadtrats von Dublin, Irland. Außerdem ist er in Dublin die Kontaktperson für ein Pilotprojekt, das von der Europäischen Kommission (GD Umwelt) und der EUA geleitet wird und eine verbesserte Einführung von Rechtsvorschriften für die Luftqualität zum Ziel hat. Wir haben ihn gefragt, wie Dublin die Gesundheitsprobleme angeht, die durch schlechte Luftqualität verursacht werden.

 Image © The Science Gallery

Was tun Sie, um die Luftqualität in Dublin und in Irland zu verbessern?

Wir glauben, dass wir die Probleme mit der Luftqualität in größeren Städten sehr erfolgreich in Angriff genommen haben. Ein Beispiel zeigt dies deutlich: das Verbot der Vermarktung und des Verkaufs von bituminösem (oder qualmendem) Brennstoff in Dublin im Jahr 1990. Kollegen in der medizinischen Forschung haben sich die Auswirkungen dieser Entscheidung angeschaut und festgestellt, dass seit 1990 jährlich 360 vermeidbare Todesfälle verhindert wurden.

Mittelgroße Städte haben jedoch noch immer eine schlechte Luftqualität und die Behörden schauen sich nun neue Rechtsvorschriften an, um dies in Angriff zu nehmen, indem sie das Verkaufsverbot von bituminösem Brennstoff auf kleinere Städte ausweiten.

In Irland ist das Ministerium für Umwelt, Gemeinwesen und lokale Regierung das offizielle Organ, das sich mit Luftqualität und verwandten Bereichen befasst. Währenddessen agiert die (irische) Umweltschutzagentur als ausführende Kraft dieses Ministeriums. Es gibt klar definierte Verantwortungen zwischen dem Ministerium und der Agentur, wie die Führung in Bezug auf relevante Politikbereiche an lokale Behörden weitergegeben wird.

Welchen Herausforderungen muss sich der Stadtrat von Dublin im Bereich Gesundheit stellen? Wie nehmen Sie diese in Angriff?

Dublin ist ein Mikrokosmos anderer Großstädte in der Europäischen Union. Es bestehen viele Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Probleme, die angegangen werden müssen. Fettleibigkeit, Krebs und Herz-Kreislauf-Probleme sind die größten Probleme der öffentlichen Gesundheit in der EU, einschließlich Irland.

Der Stadtrat hat erkannt, dass viele seiner Tätigkeiten für die öffentliche Gesundheit relevant sind. Ein Beispiel, das mir nennenswert erscheint, ist ein Projekt, bei dem wir die Luftqualität mit der Beteiligung der Öffentlichkeit verknüpft haben. Das Projekt wurde vor ein paar Jahren in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU durchgeführt. Das Projekt trug den Namen „People Project“, wurde in sechs europäischen Städten durchgeführt und befasste sich mit dem krebserregenden Luftschadstoff Benzol. Nach einer überwältigenden Reaktion von Freiwilligen auf eine nationale Radiosendung machten wir Menschen zu laufenden und sprechenden Überwachern der Luftqualität. Sie trugen Benzol-Anstecker, damit sie ihre Benzolbelastung im Laufe eines Tages beobachten konnten. Dann schauten wir uns die Luftqualitätswerte an und wie ihr tägliches Verhalten ihre Gesundheit beeinflusst.

Alle freiwilligen Helfer haben Rückmeldungen zu ihren Ergebnissen erhalten. Eine lustige Anekdote dieses Projekts war die ernüchternde Nachricht, dass man keinen Schinkenspeck anbraten darf, wenn man die Belastung des krebsverursachenden polyzyklischen aromatischen Kohlenstoffs reduzieren möchte! Ein freiwilliger Helfer, der an einem Schinkengrill in einem örtlichen Café arbeitete, hatte sehr hohe Werte.

Der ernste Punkt an dieser Anekdote ist, dass wir uns das Zusammenspiel von Schadstoffen im Innen- und Außenbereich anschauen müssen.

Können Sie ein Beispiel für eine irische Initiative nennen, mit der die Luftqualität in Innenräumen verbessert werden konnte?

Ein Beispiel sticht deutlich heraus – das Rauchverbot 2004. Irland war das erste Land weltweit, das das Rauchen am Arbeitsplatz verboten hat. Durch dieses Verbot konnten wir uns auf das Problem der berufsbedingten Exposition konzentrieren, während die Luftqualität verbessert wurde.

Eine interessante Nebenbemerkung ist, dass die Reinigungsindustrie Leidtragende des Verbotes war, was wohl keiner vorhersehen konnte. Ihr Geschäft ist seit 2004 allein wegen des Rauchverbots stark zurückgegangen. Manchmal gibt es also Auswirkungen, die man nicht vorhersehen kann.

Wie informiert Ihre Organisation die Bevölkerung?

Das Informieren der Bevölkerung ist ein wichtiger Teil unserer Initiativen und gehört zur täglichen Arbeit. Der Stadtrat von Dublin erstellt jährlich Berichte, die eine Zusammenfassung zur Luftqualität für das vorangegangene Jahr bereitstellen. Diese Berichte sind alle online zu finden. Des Weiteren besitzt die (irische) Umweltschutzbehörde ein Luftüberwachungsnetzwerk, das die Informationen an örtliche Behörden und die Bevölkerung übermittelt.

Ein weiteres Beispiel, das es nur in Dublin gibt, ist ein Projekt, das dieses Jahr gestartet wurde und den Namen Dublinked trägt. Im Rahmen dieses Projekts werden Informationen des Stadtrats gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht. Dies können Daten sein, die von den örtlichen Behörden, privaten Dienstleistungsunternehmen der Stadt sowie den Einwohnern erstellt wurden. In ihrer Mitteilung von 2009 bemerkt die Europäische Kommission, dass die Wiederverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors einen geschätzten Wert von 27 Milliarden Euro hat. Dies ist eine der Initiativen des Stadtrats, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Dublin ist zusammen mit anderen europäischen Städten an einem Pilotprojekt zur Luftqualität beteiligt. Wie wurde Dublin daran beteiligt?

Der Stadtrat von Dublin wurde über eine Einladung der EUA und der Europäischen Kommission eingebunden. Wir sahen das Projekt als eine Möglichkeit, um bewährte Praxismodelle zu teilen und durch den Austausch relevanter Erfahrungen zu lernen.

Durch das Projekt haben wir erkannt, wie fortgeschritten andere Städte bei der Erstellung von Bestandsaufnahmen der Emissionen und der Entwicklung von Luftqualitätsmodellen für ihre Stadt sind. Es war also ein Ansporn für den Stadtrat von Dublin, bei diesen Aufgaben Fortschritte zu machen. Allerdings waren wir der Meinung, dass es Geldverschwendung wäre, sich als Stadtrat allein um die Bestandsaufnahmen der Emissionen und die Entwicklung eines Luftqualitätsmodells zu kümmern. Deshalb haben wir uns mit der Umweltschutzbehörde zusammengesetzt, um ein nationales Modell zu entwickeln, das auch auf regionaler Ebene anwendbar ist. Und dann haben wir uns an die Arbeit gemacht.

Martin Fitzpatrick, Leitender Beauftragter für Umweltgesundheit im Referat „Überwachung der Luftqualität und Lärmbelastung“ des Stadtrats von Dublin, Irland.Martin Fitzpatrick

Pilotprojekt zur Einführung von Rechtsvorschriften zur Luftqualität

Das Pilotprojekt zur Einführung von Rechtsvorschriften zur Luftqualität erfasst Städte in Europa, um ein besseres Verständnis von den Stärken, Herausforderungen und Bedürfnissen der Städte hinsichtlich der Einführung von Rechtsvorschriften zur Luftqualität in der EU und der Thematik Luftqualität im Allgemeinen zu erhalten. Das Pilotprojekt wird gemeinsam von der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission und der Europäischen Umweltagentur geleitet. Die am Projekt teilnehmenden Städte sind Antwerpen, Berlin, Dublin, Madrid, Malmö, Mailand, Paris, Ploiesti, Plowdiw, Prag und Wien. Die Ergebnisse dieses Pilotprojekts werden später im Jahr 2013 veröffentlicht.

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