Pressemitteilung

Seite Zuletzt geändert 19.04.2016 17:06
PRESSEMITTEILUNG - Sperrfrist 24. Juni 1999 Europas Umwelt: Einige Erfolge, aber die Umwelt ist weiter unter Druck
Europäische Umweltagentur legt ihren Umweltbericht vor

Anläßlich der Tagung des Europäischen Umweltrates in Luxemburg legte die Europäische Umweltagentur mit Sitz in Kopenhagen heute ihren Bericht Umwelt in der Europäischen Union an der Wende zum 21. Jahrhundert vor. Der Bericht beschreibt den Zustand der Umwelt in der Europäischen Union und gibt eine Einschätzung der Entwicklung bis 2010. Er behandelt außerdem die möglichen Auswirkungen der EU-Erweiterung auf die Umwelt in den Beitrittsländern Osteuropas sowie in Zypern.

In “klassischen” Umweltsektoren gibt es meßbare Erfolge

Nach mehr als 25 Jahren Umweltpolitik der Europäischen Gemeinschaft und der Mitgliedstaaten sind meßbare Erfolge vor allem in den Bereichen festzustellen, in denen die Umweltpolitik mit ihrem "klassischen" Instrumentarium des Einsatzes von Rückhaltetechniken und Ordnungsrecht operierte:

  • Durch die Reduzierung des Eintrags von Phosphor und organischen Stoffen hat sich die Wasserqualität der Flüsse erheblich verbessert.
  • Spürbar zurückgegangen ist der Eintrag säurebildender Substanzen sowie grenzüberschreitender Luftverschmutzungen. Hierdurch hat sich die Luftqualität in den Städten erholt. Voraussichtlich wird der Anteil der Ökosysteme, die ein Niveau der Säureablagerung über dem kritischen Wert aufweisen, von 25% im Jahr 1990 auf 7% im Jahr 2010 zurückgehen.
  • Die Freisetzung ozonzerstörender Substanzen wurde deutlich reduziert. Wegen der Langfristwirkung dieser Stoffe in der Stratosphäre wird sich der Schutzschild der Ozonschicht jedoch erst in der Mitte des nächsten Jahrhundert erholen. Bis dahin ist mit einer Zunahme von Hautkrebserkrankungen zu rechnen.
  • Seit 1990 zeigt sich eine deutliche Abkoppelung der Freisetzung luftverschmutzender Emissionen von der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Fortschritte sind bei der Steigerung der Ökoeffizienz des Energiewesens, der Industrie und teilweise des Verkehrssektors zu verzeichnen, d.h. die Freisetzung von Emissionen pro erzeugter Produktionseinheit ist rückläufig.
  • Instrumente wie Umweltaudit, Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfungen finden zunehmend Eingang in die Entscheidungsfindung der Unternehmen, wobei die Beteiligung der Unternehmen in den EU-Mitgliedsländern unterschiedlich ist. 75% der z.Z. in der EU zertifizierten Unternehmen befinden sich in Deutschland.
  • In einigen EU-Ländern gibt es an Bedeutung zunehmende positive Entwicklungen, wie zum Beispiel die Zunahme an Windenergie, die vermehrte Verwendung des Fahrrads im innerstädtischen Verkehr, der Rückgang der Verwendung von Pestiziden und Herbiziden auf städtischen Grünflächen sowie die Zunahme von Betrieben des ökologischen Landbaus. Viele EU-Gemeinden engagieren sich bei der Entwicklung von lokale Agenda 21-Programmen.


Die Integration von Umweltbelangen in einigen Wirtschaftbereichen ist unzulänglich

Werden keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen, um die Berücksichtigung von Umweltbelangen insbesondere in der Chemieindustrie, bei der Abfallentsorgung, im Verkehr, im Bereich des Tourismus, der Landwirtschaft und im Individualverhalten durchzusetzen, so rechnet die Europäische Umweltagentur mit einem anhaltenden Druck auf die Umwelt in Europa:

  • Ein anhaltender Druck geht von der Chemieproduktion aus. 75% der auf dem Markt befindlichen großvolumigen chemischen Stoffen sind nicht ausreichend einer Minimalrisikoanalyse unterzogen. Zurückgegangen ist die Emission von Blei. Für andere Schwermetallemissionen, insbesondere Cadmium und Kupfer ist ein steigender Trend zu beobachten.
  • Zwischen 1990 und 1996 ist die erzeugte Abfallmenge in der Europäischen Union um 10 % gestiegen. Im "Weiter-so-wie-bisher-Szenario" zeigt sich eine Fortsetzung des Trends.
  • Aufgrund der derzeit anzunehmenden Zunahme des Verkehrs sowie einer größeren Zahl von Haushalten ist damit zu rechnen, daß trotz der Steigung der Energieeffizienz der EU-Energieverbrauch von 1995 bis 2010 um 15 % ansteigen wird. Gerechnet wird mit einem Anstieg des PKW-Verkehrs um 30% sowie des Frachtverkehrs um 50%. Ohne zusätzliche Maßnahmen wird es deshalb schwierig sein, die EU-Verpflichtung des Kyotoprotokolls der Klimarahmenkonvention einzulösen, d.h. die Treibhausgasemissionen der EU gegenüber 1990 bis 2008 - 2012 um 8% zu vermindern. Zusätzliche Anstrengungen sind auch notwendig, um das EU-Ziel eines Anteils von 12% erneuerbarer Energien am Energiemix bis 2010 zu erreichen. Derzeit beträgt der Anteil 6%.
  • Beim Tourismus ist eine rasche und erhebliche Zunahme zu beobachten. Für den Zeitraum 1996 bis 2010 wird ein Anstieg im internationalen Fremdenverkehr um 50 % erwartet, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Verkehrsentstehung und den Energiebedarf. Probleme wird dies von allem für ökologisch empfindliche Gebiete wie die Küstenregionen bewirken. Heute sind bereits 85% dieser Gebiete im mittleren oder hohen Maße bedroht.
  • Die Landwirtschaft ist trotz rückläufiger Einsatzmengen von Düngemitteln und Pestiziden nach wie vor eine wichtige Verursacherquelle für Umweltbeeinträchtigungen. Der Nährstoffeintrag (Entrophierung) ist nach wie vor ein Problem. Pflanzenschutzmittel im Grundwasser bedürfen einer eingehenden Beobachtung, da die derzeitige Datenlage die Bewertung erschwert. Weitere Problembereiche sind der Bodenzustand sowie der Erhalt der biologische Vielfalt.
  • Aufgrund unzureichender wissenschaftlicher Erkenntnisse und einer mangelnden Datenlage bestehen erhebliche Ungewißheiten hinsichtlich von Problembereichen, für die die Öffentlichkeit Besorgnis hegt, wie etwa die Auswirkungen von Schadstoffen in Lebensmitteln sowie die gesundheitlichen und ökologischen Gefahren gentechnisch veränderter Organismen, die in Lebensmitteln verarbeitet und in anderer Weise freigesetzt werden.


Nachhaltige Entwicklung notwendig für dauerhafte Verbesserung der Umweltsituation in den Beitrittsländern

Hinsichtlich der Auswirkung der EU-Erweitung auf die Umweltqualität in den Beitrittsländern weist der Bericht der Europäischen Umweltagentur auf die Notwendigkeit hin, das reiche Naturerbe und die noch in einigen Beitrittsländern vorhandene biologische Vielfalt zu bewahren. Die Durchsetzung des Prinzips der Nachhaltigkeit, d.h. die gleichberechtigte Integration von ökonomischen, sozialen und ökologischen Belangen in die Entwicklung dieser Länder sei notwendig, um die Nachteile eines beschleunigten Wirtschaftswachstums zu vermeiden und die Fehler der Entwicklung der EU-15-Länder in der Vergangenheit nicht zu wiederholen. "Es ist vielleicht zweckdienlicher davon auszugehen, daß sich sowohl die EU der 15 als auch die Beitrittsländer im Übergang befinden - im Übergang zu einer nachhaltigeren Entwicklung", so Domingo Jiménez-Beltran, Direktor der Europäischen Umweltagentur, bei der Vorstellung des Berichts beim EU-Umweltrat am 24. Juni 1999 in Luxemburg.


Der Zustand der Umwelt in Europa und die Perspektiven des "Weiter-so-wie-bisher" im Überblick

Was wurde erreicht, in welchen Bereichen, und welche Perspektiven gibt es?
Bewertung der Fortschritte in den vergangenen 5-10 Jahren und Trends bis zum Jahr 2010 (bis 2050 für die Frage der Klimaveränderungen und die ozonzerstörenden Substanzen). Die Angaben über die Belastung zeigt, wie sich die Faktoren - wie die Freisetzung von Schadstoffen oder die Landnutzung, die die Problematik verschärfen - verändern. Die Angaben zum Stand und zu den Auswirkungen zeigen, wie diese Belastungen zu Veränderungen der Umweltqualität führen.


BELASTUNGEN Umweltprobleme ZUSTAND UND AUSWIRKUNGEN
Derzeitig Künftig Derzeitig Künftig
einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen ungünstige Entwicklungen Treibhausgas und Klimaveränderung ungünstige Entwicklungen ungünstige Entwicklungen
positive Entwicklungen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen Ozonabbau ungünstige Entwicklungen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen
einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen ungünstige Entwicklungen Gefährliche Substanzen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen ?
einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen Grenzüberschreitende Luftverschmutzung einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen
einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen Gewässerbelastung einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen
ungünstige Entwicklungen ungünstige Entwicklungen Bodendegradation ungünstige Entwicklungen ?
einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen ungünstige Entwicklungen Abfall ungünstige Entwicklungen ungünstige Entwicklungen
ungünstige Entwicklungen ungünstige Entwicklungen Biologische Vielfalt einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen ?
einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen Menschliche Gesundheit ungünstige Entwicklungen ?
einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen Städtische Gebiete einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen
ungünstige Entwicklungen ungünstige Entwicklungen Küsten- und Meeresregionen ungünstige Entwicklungen ?

positive Entwicklungen

positive Entwicklungen

einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen

einige positive Entwicklungen, die aber nicht ausreichen

ungünstige Entwicklungen

ungünstige Entwicklungen

?

ungewiß (teilweise quantitative Angaben/Expertenanalyse verfügbar)

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an:
Ronan Uhel, Projektmanager Umweltberichterstattung, EUA
(Tel.: +45/33367130)

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