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Aus urbanen Herausforderungen Chancen machen

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Kopenhagen, 2. Juli 2011. Bis zu 150 mm Niederschlag in zwei Stunden - ein städtischer Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte der 1800er Jahre. Häuser wurden zerstört. Bürger und Rettungskräfte haben gekämpft, um die Katastrophe zu bewältigen. Dies ist ein Beispiel, in welchem Ausmaß extreme Wetterereignisse eine europäische Hauptstadt beeinflussen können - Ereignisse, die durch den Klimawandel immer häufiger zu erwarten sind.
Überschwemmung in Kopenhagen, Juli 2011

Überschwemmung in Kopenhagen, Juli 2011  Image © Risager

Ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) hebt die klar die Realität hervor, dass Europas Städte und städtische Gebiete der Notwendigkeit ins Gesicht sehen müssen, sich auf den Klimawandel vorzubereiten.

Der Bericht „Urban adaptation to climate change in Europe“ (Urbane Anpassung an den Klimawandel in Europa) bestätigt, dass der Klimawandel existiert und dass die Bemühungen zur Eindämmung ihn zwar begrenzen aber nicht verhindern. Er stellt dar, dass es schwerwiegende Folgen für die Städte haben wird, wenn Anpassungsmaßnahmen ausbleiben. Da die Städte das Rückgrat der europäischen Wirtschaft sind, werden die Auswirkungen des urbanen Klimawandels Europa als Ganzes treffen. Der Bericht gibt Beispiele für innovative Anpassungspraktiken und zeigt wo diese stattfinden. Durch die Hervorhebung dieser Aktivitäten hoffen wir, dass andere städtische Verwaltungen eigene Aktivitäten zur Anpassung vorantreiben - unterstützt von den nationalen Regierungen und der EU.

Der Bericht gibt Ratschläge zur erfolgreichen Förderung von Anpassungslösungen für vielfältige Gruppen - wie Regierungen, der Privatwirtschaft und Forschungseinrichtungen. Darüber hinaus betont er die Notwendigkeit, einen systematischen Planungsprozess zur Anpassung zu verfolgen, die unterschiedlichen Ebenen zu verknüpfen - lokal, regional, national und europäisch - und eine Reihe von Grundsätzen zu berücksichtigen.

Verstärkte Auswirkungen des Klimawandels in Europa

Ereignisse der letzten Jahren zeigen ein ernüchterndes Bild. Die Europäische Hitzewelle im Sommer 2003 hat schätzungsweise bis zu 70 000 zusätzliche Todesfälle in Mittel-und Westeuropa verursacht, und das in nur vier Monaten. 2002 war ein Rekordjahr für große Hochwasserereignisse in sechs EU-Ländern - Österreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn und Rumänien. 78 Todesfälle und Sachschaden von mehr als 21 Milliarden USD waren die Folge.

In den letzten 30 Jahren hat sich die Fläche, die innerhalb der EU von Wasserknappheit und Dürre betroffen ist, von 6 auf 13% glatt verdoppelt. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen werden auf 100 Milliarden Euro geschätzt.

Die erwartete Zunahme starker Hitzewellen, Überschwemmungen und Wasserknappheit kann alle Städte treffen. Der Bericht analysiert die potenziellen Auswirkungen der erwarteten Zunahme derartiger klimatischer Ereignisse und beurteilt, wie die Europäische städtische Umwelt möglicherweise betroffen sein wird.

Kopenhagen’s Wolkenbruch Plan

Kopenhagen‘s Reaktion auf die extremen Regenfälle im Juli 2011 wird im Bericht beschrieben. Dieses Ereignis hat die Stadt gezwungen sich mit der Realität auseinander zu setzen. Die Rettungskräfte mußten innerhalb von Minuten die beiden größten Krankenhäuser der Stadt wegen Überschwemmungen und Stromausfällen evakuieren. Allein die Versicherungsschäden wurden auf 650 bis 700 Millionen Euro geschätzt.

Die sofortige Reaktion von Kopenhagen und die darauffolgende Planung kann nun als europäisches gutes Praxis Modell betrachtet werden. Die Vorbereitungen des so genannten "Wolkenbruch Plans" konzentrieren sich auf die folgenden vier Schritte:

  • Ein neuer Rettungsplan für die Notdienste;
  • Verbesserung der Kommunikation mit Bürgern, Unternehmen und öffentlichen Institutionen;
  • Optimierung der in der Stadt vorhandenen Kanalisation;
  • Verwendung eines Systems von kleinen Kanälen, um überschüssiges Wasser entweder in Bäche, Häfen oder andere Bereiche für die anschließende Lagerung umzulenken.


Reflexionen über die Maßnahmen sowie andere Ratschläge wurden im langfristigen Plan zur Klimaanpassung im Oktober 2011 veröffentlicht.

Mit der Natur arbeiten - statt gegen sie kämpfen

Der neue Bericht unterstreicht die Notwendigkeit, das Bewusstsein für die Gefährdung städtischer Umgebungen durch den Klimawandel sowie bestehende Möglichkeiten zu wecken. Das Nachdenken über Anstrengungen zur Verbesserung des Umgang der Städte mit der Natur, statt zusätzlicher Bebauung, spiegelt sich in der  Verwendung von grüner Infrastruktur wider. Ein Beispiel dafür kommt aus Großbritannien, wo die Stadt Manchester die Zahl der Grünflächen erhöht hat, um so die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen zu reduzieren.

Dieses Konzept der "grünen Infrastruktur" wurde von der Europäischen Kommission definiert als "ein strategisch geplantes und förderndes Netzwerk mit qualitativ hochwertigen Grünflächen und anderen umweltfreundlichen Eigenschaften. Es sollte als multifunktionale Ressource gestaltet und verwaltet werden, die in der Lage ist, eine breite Palette von Nutzen und Services zu liefern." (http://ec.europa.eu/environment/nature/ecosystems/index_en.htm)

In der EUA haben wir in den letzten Jahren das Thema „Stadtentwicklung“ bearbeitet - unter Herausstellung des Potenzials eines klugen, weitsichtigen urbanen Designs – für ein Publikum, das von Schülern über die internationale Presse bis zum EU-Kommissar für Umwelt reicht.

2010 hat unser Projekt „Lebende Fassade - Europa in der Blüte" eine Karte von Europa an die fassade der EEA gezeichnet und dabei die relative Vielfalt der blühenden Pflanzenarten auf dem Kontinent illustriert. Dieses Projekt hat das VN-Jahr der Biodiversität und das Potenzial der städtischen Gebiete in Bezug auf die Bereitstellung von Grünflächen und städtischen Gärten hervorgehoben. Für die meisten Stadtbewohner, ist die Wahrnehmung des 'Grünen' in oder in der Nähe ihrer Städte ein integraler Bestandteil Ihrer Lebensqualität.

Solche grünen Bereiche können zur Verbesserung der Luftqualität und Lärm Bedingungen beitragen. Und obwohl sie künstlich angelegt werden, können sie, bei intelligentem Design, zusätzliche Lebensräume für Bestäuber und Vögel bieten und helfen, die Dienstleistungen von Ökosystemen aufrechtzuerhalten. Damit verkleinern sie den ökologischen Fußabdruck von Städten und bieten Möglichkeiten zur Vermeidung von und Anpassung an den Klimawandel.
Die Fassade hat Bestäuber und Schmetterlinge angezogen, die vorher nicht in der Stadt gesehen wurden und war der Grund für einen akuten Anstieg des Interesses an der Vernetzung von städtischen und grünen Themen durch die internationale Presse, Einheimische und Besucher, Architekten und Stadtplaner. Das Projekt wurde weithin von der internationalen Presse aufgenommen, z. B. hat The Guardian in Großbritannien das Projekt auf Platz 3 seiner Top 10 der globalen Ereignisse zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt gelistet.

Kopenhagen summt

Die Fassade weckte sogar das Interesse der Bienen-Fans und führte zu einem Projekt mit ByBi. Bybi ist ein preisgekröntes und bahnbrechendes soziales Unternehmen, das Millionen von Bienen in die Stadt bringt. Seit Mai 2011 läßt es die EUA im Herzen von Kopenhagen summen, als 120 000 Bienen in ihr neues Zuhause zogen, ein Bienenhaus auf dem Dach der Agentur.

Zusätzlich zu seinem ökologischen Wert, bietet das Projekt neue Möglichkeiten für benachteiligte Menschen, die geschult werden und sich dann um die Kopenhagener Bienen kümmern. Bybi will zudem Bürger und Unternehmen über die Möglichkeiten einer umweltfreundlicheren, bunteren und süßeren Stadt aufklären. Unser Bybi Projekt erhielt große Aufmerksamkeit durch die breite Öffentlichkeit und in der Presse, einschließlich eines Artikels in der dänischen Nachhaltigkeits-Zeitschrift Samvirke ein Jahr nach Start des Projekts.

Anpassung an den Klimawandel könnte den Anstoß zu Stadterneuerung und Umdenken geben

Der Klimawandel und die Notwendigkeit für die Städte, sich daran anzupassen kann ein Modell für die Stadtplanung der Zukunft bieten. Anpassungs-basierte, städtische Initiativen müssen innovativ sein und Multi-Level Vorteile bieten, um die anschließende Umsetzung zu erlauben.
In der Regel sollte die Anpassung an den Klimawandel nicht nur eine reaktive oder defensive Strategie sein, sondern vielmehr die proaktive Einführung und Umsetzung einer langfristigen wirtschaftlichen und nachhaltigen Strategie.

Die schwimmenden Häuser der neuen Nachbarschaftsinsel IJburg in Amsterdam zum Beispiel sind eine Antwort auf die Nachfrage von Häusern in der Nähe von oder im Wasser. Dies spiegelt das wachsende Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Bebauung außerhalb von Gegenden, die durch Überschwemmungen gefährdet sind und ist sicherlich eine Lösung, um dem Anstieg des Meeresspiegels zu begegnen. Dieses Beispiel zeigt das große Potenzial von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel als Impuls für Innovationen.

Und es gibt weitere Beispiele für gute Praxis in europäischen Städten. In Rotterdam existieren Pläne für so genannte Wasser-Quadrate - tief liegende öffentliche Räume, die für die vorübergehende Lagerung von Wasser während starker Niederschläge oder Überschwemmungen genutzt werden können. Indes bietet die Kanalisation in Wien selbst Lagerungsmöglichkeiten. Die Belastung der Kanalisation wird laufend überwacht und Eingriffe sind durch zentral gesteuerte Schleusen und Pumpstationen möglich, die die volle Speicherkapazität des 2300 km langen Systems optimieren und Wasseraustritte bei starken Niederschlägen verhindern.

Planen für die Zukunft

Städte müssen sich anpassen, aber ein unterstützender nationaler und europäischer Rahmen ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Europas Zukunft hängt von starken und widerstandsfähigen Städten ab, die an einem gemeinsamen Ansatz zur Bewältigung des Klimawandels arbeiten.

Die oben genannten Beispiele können in der Tat als Quellen für Informationen und bewährte Verfahren genommen werden. Doch, so räumt der EUA Bericht ein, eine antizipative Planung ist notwendig, um Menschen und Infrastrukturen innerhalb unserer städtischen Gebiete ausreichend vorzubereiten, die Risiken des Klimawandels zu adressieren.

Jetzt mit der Anpassung zu beginnen, sichert die Möglichkeit auf den Klimawandel vorbereitet zu sein und führt zu geringeren Kosten. Massive Investitionen in die Infrastruktur der Städte sind ohnehin erforderlich - der Klimawandel ergänzt lediglich den Bedarf an robusten und flexiblen Lösungen.

Zusätzliche Informationen

Der Bericht „Urban adaptation to climate change in Europe“ (Urbane Anpassung an den Klimawandel in Europa) der EUA wurde erstmals am 14. Mai 2012 auf dem „Resilient Cities Congress“ (Widerstandsfähige Städte Kongress) in Bonn vorgestellt. Der Kongress hat sich auf die Themen der städtische Risiken, Belastbarkeit und Finanzierung konzentriert. Den EUA-Bericht (nur in englischer Sprache) können Sie in elektronischer Form erhalten unter: http://www.eea.europa.eu/publications/urban-adaptation-to-climate-change

Die European Climate Adaptation Plattform (Climate-ADAPT, eine gemeinsame Aktivität der Europäischen Kommission und der EUA) ist eine web-basierte Plattform, um politische Entscheidungsträger auf europäischer, nationaler, regionaler und lokaler Ebene bei der Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen an den und Politiken zum Klimawandel zu unterstützen. Die Plattform unterstützt auch Städte bei ihren Anpassungsmaßnahmen (http://www.eea.europa.eu/highlights/major-new-website-to-assist).

Andere EUA Berichte zu urbanen Theman:

Urbane Schlüsselinformationen:

  • In Europa, wo die überwiegende Mehrheit der Menschen in städtischen Gebieten lebt, ist die Bewältigung der verknüpften Herausforderungen zwischen biologischer Vielfalt und einem Netzwerk von Städten und Gemeinden von entscheidender Bedeutung, um dem Verlust der biologischen Vielfalt Einhalt zu gebieten.
  • Städtische Gebiete können eine Chance oder eine Bedrohung für die biologische Vielfalt sein. Die Wahrnehmung dieser Chance verlangt eine Mischung von hoch qualitativen städtischen Grünflächen und  dichten und kompakt bebauten Zonen.
  • Lebensqualität in Städten hängt von der Existenz von genügend attraktiven städtischen Grünflächen ab, wo Menschen und Tiere gedeihen können. Aber ebenso wichtig für das städtische Leben sind die Dienstleistungen der Ökosysteme, die durch die biologische Vielfalt in grünen Arealen außerhalb der Stadtgrenzen geliefert werden.
  • Obwohl die biologische Vielfalt und die Dienstleistungen der Ökosysteme globale Gemeinschaftsgüter sind, haben lokale und regionale Behörden die rechtliche Befugnis, Schutzgebiete zu benennen und Belange der biologischen Vielfalt in ihre Stadt- und Raumplanung zu integrieren. Öffentliches Engagement ist in den zahlreichen, partizipativen Lokale Agenda 21 Prozessen sichtbar, die darauf abzielen, nachhaltige Gemeinschaften aufzubauen, die die biologische Vielfalt als Voraussetzung für widerstandsfähige Städte definieren.
  • Unabhängig von ausgewiesenen Schutzgebieten, ist es unabdingbar die biologische Vielfalt in die Raumplanung zu integrieren - auf regionaler und lokaler Ebene, einschließlich städtischer Gebiete. Die Entwicklung des „Europäischen grünen Infrastruktur Konzepts“ bietet eine Chance, dies zu tun.
Europäische Umweltagentur (EUA)
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