Land- und Bodenverbrauch durch menschliche Eingriffe

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Article Veröffentlicht 17.11.2015 Zuletzt geändert 15.09.2016 10:50
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Land und Boden sind lebenswichtig für natürliche Systeme und die menschliche Gesellschaft, doch menschliche Eingriffe bedrohen die Funktion der Landressourcen einschließlich der Böden. Was sind die Ursachen hierfür? Was unternimmt Europa, um diese Entwicklung aufzuhalten? 2015 ist das Internationale Jahr des Bodens, deshalb stellten wir Geertrui Louwagie, Projektmanagerin für Bodenbewertungen und Berichterstattung bei der Europäischen Umweltagentur, diese Fragen.

 Image © Image Copyright Enter the copyright information for this image. Roger Langohr

Welchen Problemen sind Landflächen und Böden ausgesetzt?

Land und Boden sind endliche, nicht erneuerbare Ressourcen, deren Degradation voranschreitet, wodurch ihre Funktion und ihre Fähigkeit, Dienstleistungen zu erfüllen, eingeschränkt werden. Nahrungsmittelerzeugung, Biomasse- und Biotreibstofferzeugung, Kohlenstoffspeicherung, Wasserfilterung und Nährstoffkreislauf und Rohstoffversorgung geraten zunehmend unter Druck. Auch das natürliche und archäologische Erbe des Bodens ist gefährdet.

Für diese Verschlechterung ist eine Reihe von Prozessen verantwortlich, die als Bodenerosion, Verlust von organischer Substanz im Boden, Bodenkontamination und Bodenversiegelung (Boden mit undurchlässigen Bedeckungen, man spricht auch von Flächenversiegelung) in Erscheinung treten. Vorangetrieben werden diese Prozesse durch menschliche Aktivitäten wie Flächenverbrauch, Landnutzungsintensität (die sich unter anderem an der Menge der auf Agrarflächen eingesetzten Nährstoffe ablesen lässt) und Aufgabe von Nutzflächen. Jeder Prozess hat Auswirkungen auf die wichtigsten Dimensionen von Land, d. h. auf die Landbedeckung/Landnutzung, die Vegetation und den Boden und damit auf den Bestand an Landressourcen und ihre Funktion sowie auf die daraus abgeleiteten Waren- und Dienstleistungsströme. Außerdem beeinflussen diese Prozesse den Wert von Land und seinen Beitrag zu Gesundheit und Wohlergehen des Menschen.

Was wird unternommen, um diese Probleme anzugehen?

Die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) beinhalten Zielvorgaben für weltweite Anstrengungen zur Lösung land- und bodenbezogener Probleme. In diesem Kontext wurde 2012 die Global Land Indicators Initiative ins Leben gerufen, um eine Reihe global erfassbarer Land-Indikatoren zu entwickeln, die langfristig vergleichbar sind. Die Initiative, die sich zunächst auf Landrechte konzentrierte, soll auch Einfluss auf die globale Post-2015-Agenda nehmen. Bei den vorgeschlagenen Indikatoren fehlte jedoch die Umweltkomponente. Um dies zu korrigieren, haben die EUA und das Institute for Advanced Sustainability Studies Indikatoren für Land und Boden vorgeschlagen zur Überwachung der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Bezug auf Landbedeckung/Landnutzung, Flächenproduktivität und organischen Kohlenstoff im Boden.

Welchen Beitrag leistet die EUA zu dieser Arbeit?

Unsere Arbeit liefert Input für die Entwicklung der EU-Politik zur Landnutzung und zum Schutz der Böden. Die kürzlich durchgeführte europäische Bewertung der Kapazität des Bodens, Ökosystemdienstleistungen zu erfüllen, ist ein Beispiel dafür. Auch in unserem mehrjährigen Arbeitsprogramm sind Landressourceneffizienz und Ökosystembewertung und -bilanzierung ein wichtiges Thema.

Bei der Untersuchung der Landressourceneffizienz geht es um das Gleichgewicht zwischen vorhandenen Landflächen und den an sie gestellten funktionalen Anforderungen. In dem Bewusstsein, dass Boden eine endliche, nicht erneuerbare Ressource ist, wird untersucht, wie Änderungen der Landbedeckung, z. B. für Infrastruktur- oder Gewerbezwecke, die Dienstleistungsfunktionen von Landflächen beeinträchtigen. Dies umfasst auch Flächenrecycling als Antwort auf den Flächenverbrauch, um die Wiederverwendung von bebauten, aber aufgegebenen Altflächen zu fördern.

Arbeiten zum Gleichgewicht von Nährstoffen im Boden wie Stickstoff und Phosphat sowie von Metallen wie Kupfer, Zink, Kadmium und Blei liefern Daten für die Projekte der EUA zur Ökosystembewertung und -bilanzierung. EU- und nationale Budgets wurden 2014 veranschlagt und derzeit werden die Auswirkungen von Überschreitungen kritischer Belastungen durch Ammoniakemissionen und -ablagerungen auf die Artenvielfalt, die Belastung von Grundwasser und Oberflächengewässern mit Stickstoff- und Phosphatverbindungen durch Auswaschung und Oberflächenabschwemmung und die Auswirkungen der Kadmiumaufnahme auf die Lebensmittelqualität untersucht.

Die EUA strebt eine Harmonisierung der Daten zu diesen Fragestellungen an, um europaweit vergleichbare Länderdaten zu schaffen. Dazu kooperiert die Agentur mit der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Centre – JRC), die im Auftrag des Europäischen Zentrums für Bodendaten (European Soil Data Center – ESDAC) Bodendaten erhebt. Flächendaten liefern die Satellitenbeobachtungen im Rahmen von Corine Land Cover (CLC) und die High Resolution Layers (HRL), die auch Aufschluss über die Flächenversiegelung geben.

Um die Sichtbarkeit von Land und Boden zu verbessern, hat die EUA außerdem eine Reihe themenbezogener Indikatoren entwickelt. Diese umfassen derzeit Indikatoren für Flächenverbrauch, Flächenversiegelung, Verwaltung verunreinigter Flächen und Fragmentierung von Landflächen sowie Indikatoren, die im Rahmen von Arbeiten über den Klimawandel zu den Themenbereichen Humusgehalt der Böden, Bodenerosion und Bodenfeuchtigkeit entwickelt wurden.

Wie ist der Stand bei der Land- und Bodenpolitik?

Die Politik der EU zum Schutz von Landflächen und Böden ist fragmentiert und die Bestimmungen und Maßnahmen in Bezug auf die Umwelt-, Agrar- oder Regionalpolitik sind weder koordiniert noch umfassend. Die spezifische Bodenschutzstrategie 2006 ist ein Referenzdokument, in dem erklärt wird, warum weitergehende Maßnahmen erforderlich sind, um ein hohes Schutzniveau für die Bodenfunktionen und eine nachhaltige Bodennutzung zu erreichen. Die 2006 vorgeschlagene Boden-Rahmenrichtlinie wurde jedoch letztes Jahr zurückgezogen.

Die Europäische Kommission hat vor, die bestehende bodenrelevante EU- und nationale Politik auf Effizienz und Kohärenz und eventuelle Lücken zu untersuchen. Damit reagiert sie auf das 7. Umweltaktionsprogramm, in dem sich die EU auf der Grundlage des Verhältnismäßigkeits- und des Subsidiaritätsprinzips zu einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung und zum Bodenschutz verpflichtet.

Im September dürften die UN-Mitgliedstaaten den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zustimmen. Nach dem aktuellen Wortlaut sind Land- und Bodenfragen auf mehrere Unterziele verteilt. Ob es jedoch gelingt, den Trend des Verlusts von Land- und Bodenressourcen weltweit umzukehren, hängt von der Umsetzung der SDGs auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene ab.

Geertrui Louwagie

Das Interview wurde in der Ausgabe Nr. 2015/2 des EUA-Newsletters im Juni 2015 veröffentlicht.

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